Man könnte meinen, die meisten Deutschen hätten ihr Auto 2009 abgewrackt. Für über 1,9 Millionen Fahrzeuge wurde eine so genannte Umweltprämie ausgezahlt. Doch schon im September 2009 war der Fördertopf in Höhe von 5 Milliarden Euro ausgeschöpft.
Wer also nicht zum Zuge gekommen ist, muss sich wohl oder übel ohne staatliche Finanzspritze auf dem Markt umsehen. Dessen sind sich auch die Autohändler bewusst und warten daher mit verlockenden Sonderkonditionen auf. Angesichts der stetig steigenden Benzinpreise sollte man bei der Entscheidung den Verbrauch und die Umweltdaten des Wunschwagens unter die Lupe nehmen. Der Wert des CO2-Ausstoßes beispielsweise gibt an, wie viel Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer in die Umwelt gepustet wird. Die geringsten CO2- Werte weisen Minis und Kleinwagen auf, da natürlich auch die Größe des Fahrzeugs und damit der Kraftstoffverbrauch eine entscheidende Rolle spielt.
Die Werte der 20 emissionsärmsten neu zugelassenen Pkw lagen 2009 laut Kraftfahrt-Bundesamt zwischen 88 und 112 Gramm CO2 pro Kilometer. Durch die Umweltprämie ging der durchschnittliche CO2- Ausstoß bei Neuzulassungen deutlich zurück, da die alten PKW hauptsächlich durch eben die emissionsarmen kleinen Fahrzeugmodelle ersetzt wurden. Die CO2-Emissionswerte sind nicht nur richtungsweisend für ein umweltfreundlicheres Fahrzeug, sondern helfen auch dabei, den Geldbeutel zu schonen. Seit 2009 errechnet sich die Kfz-Steuer nämlich nicht mehr über die Hubraumgröße und die EU-Abgasnorm, sondern auch über den klimaschädlichen CO2-Ausstoß. Dabei gilt ein Freibetrag von momentan 120 Gramm CO2 pro Kilometer, der bis 2014 auf 95 Gramm sinken wird. Was darüber liegt, kostet extra. Zusätzlich gibt es einen Sockelbetrag, der sich aus der Größe des Hubraums und der Antriebsart errechnet.
So spielen die EU-Abgasnormen bei ab dem 1. Juli 2009 zugelassenen Fahrzeugen keine große Rolle mehr, es sei denn, es handelt sich um einen Diesel-Pkw, der die Abgasnorm Euro 6 erfüllt. Diese Norm gilt zwar erst ab 2014, doch wird sie schon heute von vielen Dieselmodellen erreicht. Ab diesem Jahr soll der Kauf eines solchen Fahrzeugs daher mit einer Kfz-Steuerbefreiung von jeweils 150 Euro im Jahr von 2011 bis 2013 belohnt werden.
Letztlich stellt sich doch auch die Frage nach alternativen Antriebsformen, denn nach wie vor sind Otto- und Dieselmotoren aufgrund ihrer Abhängigkeit von Erdöl nicht unbedingt die beste Lösung für die Zukunft, ganz gleich wie viel Bio-Ethanol oder Bio- Diesel beigemischt wird. Zwar kommen vor allem immer sauberen Dieselfahrzeuge auf den Markt und die Hersteller geloben Besserung hinsichtlich der Elektrofahrzeuge, doch tut sich bisher nicht wahnsinnig viel. Die Neuzulassungen im Bereich Flüssiggas und Erdgas lagen bei 11.083 und 10.062 Pkw, darüber hinaus wurden 162 neue Elektroautos und 8.374 Hybridfahrzeuge angemeldet. Dem stehen rund 2,6 Millionen neu zugelassene Benzinfahrzeuge und knapp 1,7 Millionen Dieselfahrzeuge gegenüber.
Neben der noch knappen Auswahl an Modellen scheinen viele Autokäufer vor allem beim Elektroauto nach wie vor skeptisch zu sein. Nicht jeder möchte das „erstbeste“ Elektroauto kaufen, das auf den Markt kommt. Darüber hinaus gibt es nach wie vor viele Aspekte, die den an Benzin und Diesel gewöhnten Autofahrer verunsichern: seien es die erheblichen Mehrkosten, die Frage nach der Langlebigkeit der Akkus oder das noch spärlich besiedelte Stromtankstellennetz. Das Umdenken wurde vielerorts beschworen. Doch trotz der überzeugenden Argumente – von Umweltschutz bis Kostensparen – wird es wohl dauern, bis Hersteller und Autofahrer auch zur konsequenten und nachhaltigen Umstellung bereit sind. js
Wer noch, wie, zu welcher Gelegenheit und wie lange mit dem Auto unterwegs ist, verrät unser kleines Zahlenspiel.
Wieviele Autos besitzt Deutschland?
Im Jahre 2008 ermittelte das Statistische Bundesamt, dass 77% der insgesamt 39 Millionen privaten Haushalte in Deutschland mindestens ein Auto besitzen, insgesamt gab es 2008 in Privathaushalten rund 40 Millionen Autos. 1963 verfügten gerade einmal 27% der Haushalte über ein Auto. Je höher das Einkommen, desto höher der Anteil der Haushalte, die ein Auto besitzen.
Was kauft der deutsche Autofahrer?
Gebrauchtwagen liegen nach wie vor ganz oben auf dem Einkaufszettel der Deutschen. 2008 waren rund 61% der 40 Millionen PKW Gebrauchtwagen, 34% waren Neuwagen und 5% Leasingfahrzeuge. Beim Neukauf liegt der Trend klar bei spritsparenden Varianten. Im Zuge der Umweltprämie gehörten 51% der neu zugelassenenen Fahrzeuge zum Segment der Minis und Kleinwagen.
Wieviele Unfälle zählt die Statistik?
2009 erfasste die Polizei 2.313.453 Unfälle auf Deutschlands Straßen. In 401.823 Fällen wurden Personen verletzt oder getötet – Fahrer wie Fußgänger. Zwar geschieht statistisch gesehen alle 14 Sekunden ein Verkehrsunfall, doch kommen glücklicherweise immer weniger Menschen dabei ums Leben. Der Anteil der Unfälle, bei denen „nur“ ein Sachschaden entstanden ist, lag 2009 bei 87%.
Wer pendelt mit dem Auto?
Wer pendeln muss, greift zum größten Teil zum eigenen Pkw. Über die Hälfte der Erwerbstätigen (59,6%) fuhr 2008 mit dem Pkw zum Arbeitsplatz, nur ein geringer Anteil als Mitfahrer, etwa 13% nutzten Bus und Bahn. Auch hier pendeln die Einkommensstärkeren eher mit dem eigenen Pkw. Fahrgemeinschaften dagegen scheinen deutlich unbeliebter. Nur 3,5% der Pendler waren 2008 als Mitfahrer unterwegs.
Wie lange hält ein Pkw?
Die Lebensdauer eines Autos liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt seit 1995 bei ungefähr 11,8 Jahren, hat sich im Vergleich zu 1960 (7,9 Jahre) also deutlich erhöht. Je älter das Fahrzeug, desto höher liegt die Fehlerhäufigkeit, die bei den Hauptuntersuchungen ermittelt wird. 5- bis 7-jährige Fahrzeuge weisen im Schnitt eine Fehlerhäufigkeit von 42,6% auf, bei 9 Jahren und mehr sind es schon 69,2%.