Mit dem Sammeltaxi zum Supermarkt

Der CAP-Markt in Grafenwald ist nicht nur durch sein Konzept, sondern auch durch seinen besonderen Service ein Supermarkt der anderen Art

Frisches Obst und Gemüse begrüßt die Kunden gleich am Eingang des CAP-Marktes. Dazwischen wirbelt Mitarbeiterin Marion Zeretzki, die mit flinker Hand für Ordnung in der Gemüseabteilung sorgt. Da wird der frische Kirchhellener Spargel noch einmal gewendet und die Äpfel kontrolliert. Ihre Kollegin füllt derweilen die Regale der Süßwaren auf. „Beide Mitarbeiterinnen sind zum gleichen Lohn angestellt, auch wenn die eine über ein Handicap verfügt und die andere nicht“, erklärt Karl Heinz Kinne, vom Vorstand des Diakonischen Werkes.

Denn die Idee des CAP-Marktes, dessen Name sich von Handicap ableitet, ist es, dass behinderte und nichtbehinderte Menschen miteinander arbeiten und zwar zu gleichen Bedingungen und zum gleichen Lohn. In Grafenwald wird dieses Konzept nun bereits seit fünf Jahren gelebt und der stetige Erfolg spricht für sich. „Als wir hier im Jahr 2006 den CAP-Markt eröffnet haben, konnten wir damit gleich mehrere Ziele fokussieren“, sagt der Prokurist der Bottroper Diakonie Werkstätten Arnd Schreiner, „wir haben nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch die städtische Nahversorgung gesichert und den Grafenwälder Bürgerinnen und Bürgern weite Einkaufswege erspart.“ Denn bevor der CAP-Markt in Grafenwald seine Türen öffnete, mussten die Grafenwälder befürchten, dass sich nach der Schließung des örtlichen Supermarktes kein Nachfolger für den Standort an der Schmiedestraße 4 interessieren könnte. „Wir haben damals schon lange nach einem geeignetem Standort gesucht und ihn hier in Grafenwald gefunden“, sagt Karl Heinz Kinne. 2009 übernahm der CAP-Markt die zuvor verpachtete Metzgerei im Markt und ist seither auch mit neuen, hochwertigen Fleisch-Produkten erfolgreich.

 

Dass nicht nur das Konzept des Supermarktes, sondern auch das Angebot bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt, dass beweist ein Blick in die Zahlen. „Unsere Umsätze sind durchweg stabil und wir sind optimistisch, dass wir den Trend auch in Zukunft halten können.“ Über 4.000 Kunden erledigen wöchentlich ihren Einkauf im CAP-Markt und profitieren dabei nicht nur von dem umfangreichen Sortiment, sondern auch von der besonderen Atmosphäre. „Neben dem personellen Integrationskonzept muss ein CAP-Markt auch bauliche Anforderungen erfüllen. So erleichtern breitere Gänge und tiefer gestapelte Waren und sogar rollstuhlgeeignete Einkaufswagen den täglichen Einkauf“, weiß Marktleiter Gerd Weber.

Zusätzlich hat der CAP-Markt ein besonderes Angebot für die älteren Kunden geschaffen. „Wir bieten zum einen einen Lieferservice an. Diesen nutzten zum Beispiel auch Seniorenheime, wo wir wöchentlich die Vorratsräume füllen.“ Zum anderen fährt einmal in der Woche ein Sammeltaxi zum CAP-Markt. „Dieses holt unsere Kunden von Zuhause ab und bringt sie bis vor unsere Tür.“ Hier können die Mitfahrer dann in aller Ruhe ihren Einkauf erledigen, der ihnen später durch den Taxifahrer auch gerne ins Haus gebracht wird. „Viele Stammkunden nutzen dieses Angebot, schließlich ist es für viele auch eine Möglichkeit, Kontakt zu anderen Menschen zu bekommen“, weiß Gerd Weber. Zu schätzen wissen die Kunden aber auch die Herzlichkeit der Mitarbeiter. Beinahe alle sind seit dem ersten Tag hier im Markt beschäftigt. Fest steht, im CAP-Markt ist die derzeit viel diskutierte Inklusion bereits gelebter Alltag. gk

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