Ein Lichtblick in schweren Stunden

Trauernde fühlen sich oft mit ihrem Kummer alleingelassen – Das Café für Trauernde bietet die Gelegenheit zum Austausch

Der Wind peitscht durch die Straßen, der Regen prasselt auf die Fenster ein. Wenn man hinaussieht, ist es kalt, nass und grau. Die dunkle Jahreszeit wird nicht umsonst die Zeit der Stille genannt. Die Tage werden kürzer, die besinnliche Weihnachtszeit rückt näher. Im November werden die Gräber unserer Verstorbenen mit Blumen und Kerzen geschmückt und das nicht nur an Allerseelen, dem Gedenktag der katholischen Kirche.

Die Erinnerung an die Verstorbenen wachzuhalten, ist ein in unserer christlichen Tradition tief verankerter Brauch – ungeachtet der Konfession. Als Ort der Einkehr, der Trauer und des Gedenkens ist der Friedhof mithin ein zentraler Punkt der Trauerarbeit. Denn wer einen geliebten Menschen verloren hat, der benötigt nicht nur Zeit, sondern vor allem einen Ort zum Trauern. Der Gang zur Grabstätte des Verstorbenen ist heilsam und hilft die Trauer zu bewältigen. Manchmal jedoch schleicht sie sich doch ein, die Einsamkeit, das Gefühl allein und hilflos zurückgeblieben zu sein. In dieser Zeit benötigen Trauernde Hilfe, die sie manchmal in ihrem eigenen Umfeld von Familie und Freunden nicht (mehr) finden können. Sie brauchen eine Gemeinschaft, die ihnen zeigt, dass sie mit ihrer Trauer, ihrem Kummer und ihren Sorgen nicht allein sind.

Das Bottroper Café für Trauernde ist so ein Ort. Entstanden aus der Arbeit der Hospizgruppe Bottrop bietet das Café allmonatlich die Möglichkeit zu Austausch und Gespräch unter Betroffenen. „Das Café wird von sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreut, die alle auch in der Hospizgruppe aktiv sind“, sagt Monika Hesse-Hippler im Gespräch mit LebensArt. Bei der Arbeit als Sterbebegleiter fiel den Ehrenamtlichen schnell auf, dass auch die Angehörigen Betreuung und Begleitung benötigen. Denn der alte Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ ist leicht gesagt, aber selten so leicht umgesetzt. Im Café für Trauernde treffen ganz unterschiedliche Schicksale zusammen, die aber eines gemeinsam haben. Sie alle haben jemanden verloren, sei es gestern oder vor vielen Jahren, sie alle suchen das Gespräch, möchten sich mitteilen, sich austauschen.
 

„Wir bieten dafür den Rahmen, decken einen schönen Kaffeetisch, backen Kuchen und servieren Kaffee und Tee“, erläutert Waltraud Eulering. Die Grafenwälderin engagiert sich seit 16 Jahren in der Hospizgruppe Bottrop und hat das Café für Trauernde mit aufgebaut. Was dann an diesem Sonntagnachmittag geschieht, das liegt ganz bei der Gruppe. Hier darf über alles geredet werden, man darf Alltagserfahrungen schildern, Erinnerungen teilen. Hier darf geweint, aber auch gelacht werden. Das Café an einem Sonntag anzubieten, lag den Initiatoren besonders am Herzen.

„Wir haben uns bewusst für den Sonntag entschieden“, sagt Waltraud Eulering. „Die Sonntage sind gerade für Trauernde, die allein sind, schwierig. Es ist ein ruhiger und besinnlicher Tag, an dem Familien zusammenkommen. Viele können sich dann nur schwer ablenken, möchten den Kindern nicht zur Last fallen und bleiben mit ihrem Kummer allein.“

Das Café ist da wie ein kleiner Lichtblick im nebeligen Alltag. Doch sicher spüren nicht wenige auch eine große Hemmschwelle, wenn sie daran denken, vor anderen ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. „Unser Grundprinzip ist wie bei der Hospizarbeit die Verschwiegenheit. Die Betroffenen können sicher sein, dass alles, was an diesem Nachmittag besprochen wird, nicht nach außen dringt“, betont Christel Kostka, die ebenfalls das Café betreut. Noch dazu bieten die Ehrenamtlichen bei Bedarf die Möglichkeit eines persönlichen Einzelgesprächs und können auch darüber hinaus bei den verschiedensten Problemen an die passenden Ansprechpartner verweisen.
 

Im geschützten Raum des Cafés und der Geborgenheit der Gemeinschaft kommen die Betroffenen oft einen großen Schritt weiter in ihrer Trauerarbeit. „Am schönsten ist es, dass wir immer wieder sehen können, wie unsere Arbeit Früchte trägt“, sagt Monika Hesse-Hippler. „Wir sehen die Entwicklung, die die Betroffenen durchmachen. Sie setzen sich mit dem Tod und der Trauer auseinander, sie verarbeiten das Erlebte.“ So sind in all den Jahren aus den Treffen auch immer wieder ganze Gruppen entstanden, die sich in ihrer Freizeit weiterhin getroffen haben. Die Trauer in einer größeren Gemeinschaft zu erleben und zu verarbeiten schweißt eben zusammen, es werden private Kontakte geknüpft, die über den Sonntagnachmittag hinaus helfen, das Leben zu meistern.

Das Café für Trauernde findet an jedem ersten Sonntag im Monat in der Zeit von 15.30 bis 17 Uhr in den Räumen der Hospizgruppe, Neustraße 2 in Bottrop, statt. Der nächste Termin ist demnach bereits am kommenden Sonntag, 6. November 2011. Dann wieder am 4. Dezember 2011. Es ist grundsätzlich keine Voranmeldung notwendig. Für weitere Informationen stehen Waltraud Eulering unter der Telefonnummer (02045) 3539 und Monika Hesse-Hippler unter der Telefonnummer (02041) 689320 gerne bereit. js


Die Arbeit der Hospizgruppe Bottrop

Die Hospizgruppe Bottrop e.V. ist eine Gemeinschaft von ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern. Seit 1992 betreut sie ehrenamtlich Schwerstkranke und Sterbende in der letzten Phase ihres Lebens. Für diese äußerst schwierige und sensible Aufgabe werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem mehrmonatigen Seminar auf ihre Aufgabe vorbereitet. Außerdem unterliegen sie der Schweigepflicht. Im Rahmen von Seminaren, Weiterbildungen und regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch setzen sich die Ehrenamtlichen fortlaufend mit den Themen Sterben, Sterbebegleitung, Tod und Trauer auseinander.

Sei es zu Hause, im Krankenhaus oder im Altersheim – die Sterbebegleitung findet überall dort statt, wo es gewünscht wird. Dabei sollen auch die Angehörigen integriert werden, sie sollen entlastet und in ihrer Trauer unterstützt werden. Das Ziel der Arbeit ist die Würde des Lebens bis zuletzt zu erhalten, unabhängig von Religion, Volkszugehörigkeit und finanzieller Situation. Neben der Sterbebegleitung und der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch bietet die Hospizgruppe auch Beratung bei schwerer Erkrankung und Informationen zur Patientenverfügung.

Kontaktdaten:
Hospizgruppe Bottrop e.V., Josef-Albers-Straße 70 II, 46236 Bottrop
Tel.: (02041) 1063087 (Mo. bis Fr. 9 bis 11 Uhr), Anrufbeantworter: (02041) 763812
Einsatzhandy: 0171-2645001, E-Mail: hospizgruppebottrop@web.de

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