Verkehrsregeln sind nicht immer einleuchtend

Welche Änderungen hinsichtlich Straßenführungen, Ausbau von Straßen und Geschwindigkeitsmessungen in Kirchhellen stehen im neuen Jahr an?

Die Dinslakener Straße ist vom Tempolimit befreit! Seit einiger Zeit darf man wieder 70 km/h fahren. Das kurzfristig aufgrund von Straßenschäden eingeführte Tempo 30 hat im vergangenen halben Jahr bei vielen Bürgern für Unmut gesorgt und so manchem Beschwerdebrief an die Stadt Bottrop geführt. Doch die war gar nicht zuständig. „Die Dinslakener Straße ist in Zuständigkeit des Landes Nordrhein-Westfalen, genauer von Straßen-NRW“, sagt Monika Werwer vom Straßenverkehrsamt. Weder für das Tempolimit noch für Geschwindigkeitsmessungen oder die Beseitigung der Straßenschäden war die Stadt verantwortlich. „Das wird oft unwissentlich verwechselt. Die Messungen an Landesstraßen übernimmt die Polizei, wie in diesem Fall auch.“
 

Sehr wohl zuständig ist die Stadt jedoch für andere „Blitzer“. Doch Monika Werwer versichert: „Es bleibt bei zwei Radarwagen, die wir von Seiten der Stadt einsetzen. Die Messfrequenz wird nicht erhöht.“ Eine Vorabinformation über Messstellen gibt es von Seiten der Stadt nicht. „Wir hatten diesen Service einige Monate, jedoch wurden die Informationen kaum abgefragt, so dass der Aufwand sich nicht lohnte.“ Wichtig ist der Stadt allerdings, dass die Gefahrenstellen, wie beispielsweise schlecht einsehbare Bereiche, Kurven oder potenzielle Unfallschwerpunkte von den Bürgerinnen und Bürgern erkannt werden. Das kann auch durch eine Standortstatistik ermittelt werden, wenn Geschwindigkeitsmessungen erfolgten und dazu geführt haben, dass an den Stellen vorsichtiger gefahren wird. „Das ist ja schließlich auch das Ziel solcher Messungen“, sagt Monika Werwer.

Mehr Blitzer?
Auch Andreas Wilming-Weber von der Polizeistelle Recklinghausen versichert, dass es keine zusätzlichen Einsätze zur Geschwindigkeitsmessung geben wird. „Wir von der Polizei haben keine Radarwagen, sondern setzen Lasergeräte und ESO-Geräte, die auch im Kurvenbereich messen können, ein.“ Angesichts des rapiden Anstiegs der Toten und Verletzten im Straßenverkehr in NRW kündigte Innenminister Ralf Jäger eine neue Sicherheitsstrategie der Polizei an. Ziel ist es, nicht nur den Anstieg zu stoppen, sondern die Zahlen deutlich zu reduzieren.

Das Polizeipräsidium Recklinghausen verzeichnete im Jahr 2010 im Kreisgebiet und der Stadt Bottrop 19 getötete Verkehrsteilnehmer. Zudem wurden bei Verkehrsunfällen 416 Personen schwer verletzt. Für das Jahr 2011 werden ähnliche Tendenzen erwartet. Im hiesigen Zuständigkeitsbereich war nahezu jeder dritte Verletzte oder getötete Verkehrsteilnehmer im Jahr 2010 ein Radfahrer oder Fußgänger. „Diesen ungeschützten Verkehrsteilnehmern fehlt oftmals die Einsicht, sie unterschätzen die Gefährlichkeit ihres Fehlverhaltens. Bei Rotlicht die Straße queren, Rad fahren ohne Beleuchtung, das Telefonieren auf dem Fahrrad oder das Fahren entgegengesetzt der Fahrtrichtung sind nur einige Verstöße von Fußgängern und Radfahrern, die zu schweren Verkehrsunfällen führen können. Auf die Ahndung dieser Regelverstöße legt die Polizei ein besonderes Augenmerk“, so Rolf Engler, Leiter der Direktion Verkehr. Dazu kommt jetzt in der dunklen Jahreszeit die schlecht erkennbare Kleidung dieser Verkehrsteilnehmer; hier kann jeder mit geringen Mitteln Abhilfe schaffen. Hauptunfallursache ist und bleibt jedoch die Geschwindigkeitsüberschreitung der Fahrzeugführer.Die Absenkung des Geschwindigkeitsniveaus innerorts um 2 km/h führt zu einem Rückgang der Unfälle mit Verletzten von 15 Prozent. Deshalb werden Temposünder auch in Zukunft im besonderen Fokus der Polizei stehen.

„Und genau hier setzen wir auf die neue Strategie mit flächendeckenden Geschwindigkeitskontrollen mittels Laser- und ESO - Messgeräten“, erklärt Rolf Engler. Der Druck auf die „Raser“ wird so auf jeden Fall erhöht. Die Polizei zeigt Transparenz bei den Kontrollen. An den Kontrollstellen werden auch Streifenwagen gut sichtbar abgestellt und ein Teil der Messstellen wird ab sofort wochenaktuell im Internet auf der Homepage des Polizeipräsidiums Recklinghausen (www.polizei.nrw.de/recklinghausen) veröffentlicht. „Wir wollen mit dieser Strategie erreichen, dass der Verkehrsteilnehmer immer und überall mit einer Geschwindigkeitsmessung rechnen muss“, so Rolf Engler.
 

Gefahrenpunkt Pelstraße/Feldhausener Straße
Immer wieder taucht die Frage nach einer Entschärfung des Kreuzungsbereichs Hauptstraße/ Feldhausener Straße/Pelsstraße auf? Wird es in naher Zukunft einen Kreisverkehr dort geben? Diese Frage konnte Monika Werwer nur mit „erst einmal nein“ beantworten. Aus Sicht der Stadt ist diese Stelle keine Unfallhäufigkeitsstelle, das hätten Erhebungen ergeben. Allerdings sei eindeutig, dass der Bereich schlecht einsehbar und gefährlich ist. „Der Druck ist leider noch nicht hoch genug, um schnell zu handeln, aber die Diskussion darüber wird von der Verwaltung und der Politik weitergeführt.“ Peter Rozek, Sachgebietsleiter des Straßenverkehrsamt ergänzt: „Der Gefahrenpunkt an dieser Kreuzung ist der Fahrradweg. Dort wurden vor einigen Monaten bereits Hinweisschilder angebracht, die eindeutig auf die Gefahr hinweisen. Da das jedoch offensichtlich nicht ausreicht, werden bald rot-weiße Barken installiert, die ein Überqueren im Kreuzungsbereich unmöglich machen. Wir hoffen, das hilft.“Bleibt also zu hoffen, dass diese Kreuzung auf der Prioritätenliste immer weiter nach oben gelangt, bevor es zu folgenschweren Unfällen kommt.

Wer blinkt wann?
Die Straßenführungen in Kirchhellen sind nicht immer leicht zu durchschauen. LebensArt hat sich bei Peter Rozek schlau gemacht und die Kreuzung mit der abknickenden Vorfahrtstraße im Bereich Hauptstraße/Antoniusstraße/Schulze-Delitzsch- Straße genauer betrachtet:
Stellen Sie sich vor, Sie fahren die Hauptstraße von der Kirche aus kommend Richtung Feldhausen. An der Kreuzung mit der Schulze-Delitzsch-Straße und der Antoniusstraße (rechts liegt Edeka) möchten Sie links abbiegen: Sie  blinken links und fahren vor der Verkehrsinsel in die Antoniusstraße.
Kommen Sie von der Antoniusstraße und möchten links auf die Hauptstraße Richtung Feldhausen, fahren Sie um die Insel herum und blinken links. Peter Rozek: „Ist das Ziel hinter dem Fahrbahnteiler, fährt man rechts um dieses herum, liegt das Ziel davor oder daneben, biegt man davor ab.“
Sie kommen aus Richtung Feldhausen und möchten geradeaus Richtung Kirche (links liegt Edeka): Blinken Sie oder nicht? – Sie dürfen nicht blinken, sondern fahren geradeaus, da Sie keine Richtungsänderung anvisieren. Das Gleiche gilt für die andere Richtung von der Kirche kommend Richtung Feldhausen.
Sie kommen aus der Schulze-Delitzsch-Straße und möchten geradeaus in die Antoniusstraße: Sie blinken auch hier nicht. Das Verkehrszeichen, das auf die abknickende Vorfahrt hinweist, sagt lediglich, dass Sie Vorfahrt haben, falls Sie der Vorfahrtstraße folgen oder von dieser in eine andere Straße abbiegen. Es zeigt Ihnen darüber hinaus, dass Sie geradeaus fahren und die Vorfahrtstraße verlassen (für den Fall, dass sie aus Feldhausen kommen und Richtung Kirche fahren).
Gar nicht so einfach, findet auch Peter Rozek vom Straßenverkehrsamt, der sich mit LebensArt an diese Kreuzung begeben und die jeweiligen Situationen durchgesprochen hat.
 

Was ist eine Spielstraße?
Eine weitere Gefahrenquelle, vor allem für Kinder, sind die so genannten Spielstraßen. Eigentlich gibt es sie in dieser Form gar nicht, sie heißen „verkehrsberuhigte Bereiche“. Um so eine Zone handelt es sich zum Beispiel in Feldhausen am Antonius-Küster-Weg. Für diese Bereiche gilt:
 

  • Das Parken ist außerhalb der gekennzeichneten Bereiche verboten.
  • Es darf in diesen Bereichen nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden (maximal 10 km/h)
  • Beim Verlassen des verkehrsberuhigten Bereichs ist der Fahrzeugführer wartepflichtig gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Es gilt keine Rechts- vor-Links-Regelung und auch vorfahrtregelnde Verkehrszeichen sind nicht vorgesehen, da der Bereich in dem Sinn keine Straße ist.


Wenn man die vorhandenen Regeln beachtet, kann man also gut durch Kirchhellen kommen. Und das als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer! gj

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