Kinderbetreuung auf dem Prüfstand

Der Ausbau der U3-Betreuung soll vorangetrieben werden – In den Schermbecker Kitas wird der Bedarf wohl gedeckt werden können – Tagesmütter als Alternative

Schermbeck - Das Thema Gleichstellung ist – nicht nur in Wahlkampfzeiten – in aller Munde. Frauen sind längst nicht mehr nur Ehefrau und Mutter; und Männer die „Familienernährer“. Karriere und finanzielle Selbstständigkeit spielen bei Müttern eine ebenso große Rolle wie bei Vätern der Wunsch, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.
 

Wann aber können beide Eltern Vollzeit berufstätig sein und sich gleichzeitig um ihre kleinen Kinder kümmern, ohne vom schlechten Gewissen geplagt zu werden? Mangelhafte Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt sei schlecht für die Karriere, heißt es. Karrierefixierte Rabenmütter will die Gesellschaft aber auch nicht. Das Dilemma um die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt vor allem die Mütter unter Druck, sie verdienen meist weniger und werden immer noch vor dem Vater mit der Pflege und Erziehung ihrer Kinder in Verbindung gebracht, so dass sie oft vor die Wahl gestellt werden: Kind oder Karriere?

Damit sich die Situation von Müttern, die schnell wieder arbeiten möchten, verbessert, wird auf die längst fällige Ausweitung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren (U3) gebaut. Denn der Wiedereinstieg in den Beruf ist für viele Mütter nicht nur finanzielle Bedingung, sondern auch ausschlaggebend für den weiteren Karriereweg. Gute und vor allem flexible Betreuungsangebote sind dann gefragt. Daher hat die Bundesregierung einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige beschlossen.

Ganze 35 Prozent der U3-Kinder sollen 2013 einen Platz erhalten. Erfüllen müssen diese Vorgabe letztlich die Länder und Kommunen und hier steht NRW mit einer Betreuungsquote von 15,9 Prozent ganz unten auf der Rangliste. Die Zahlen für Schermbeck sehen mit momentan 52 Plätzen für Kinder unter drei Jahren und einer Quote von 28,7 Prozent deutlich besser aus. Der Kreis Wesel hat für Schermbeck und Gahlen bereits weiter gerechnet. Geht man weiterhin von sinkenden Bevölkerungszahlen aus, wird es 2013 in der gesamten Gemeinde U3-Betreuungsplätze für 54 Kinder geben, das ergibt eine Quote von 32,5 Prozent. Alle Schermbecker Kitas bieten bereits eine U3-Betreuung an, die Kindertageseinrichtungen Stenkampshof und Kempkesstege betreuen auch Kinder unter zwei Jahren.

Ursula Heinemann ist Leiterin des Familienzentrums St. Ludgerus und bietet die U3-Betreuung seit 2008 an. Sie weiß um die Sorgen und Nöte der Eltern, wenn sie ihr zweijähriges Kind in die Kita geben. „Wir führen oftmals immer noch lange Gespräche mit den Eltern, weil sie häufig mit ihrem Gewissen kämpfen“, sagt Ursula Heinemann. Mittlerweile werden zwölf unter  Dreijährige im Familienzentrum betreut. „Wir haben uns natürlich besonders auf die Kleinen eingestellt,haben uns durch Seminare weitergebildet, Ruheräume eingerichtet und ein besonderes Platzangebot geschaffen.“ Denn anders als die Dreijährigen benötigen die jüngeren Kinder noch viel mehr persönlichen Kontakt, weiß die Erzieherin. Das Berufsbild selbst habe sich damit auch enorm verändert. „Aber wir stellen uns diesen Veränderungen gerne.“ Die Betreuungszeiten liegen übrigens zwischen 7.30 und 17 Uhr. „Und selbst das reicht manches Mal nicht aus.“ Als Alternative zur Kita wählen viele Eltern die Tagespflege, denn hier können sie die Betreuungszeiten ganz individuell bestimmen. „Momentan gibt es in Schermbeck 38 Tagespflegefälle, von denen 26 Kinder unter drei Jahren sind“, sagt Gabriele Klein vom Fachdienst Kindertagesbetreuung im Kreis Wesel. Für diese Kinder sind insgesamt 14 Tagesmütter im Einsatz. Auch die Entscheidung, eine Tagesmutter für das unter dreijährige Kind einzusetzen, fällt vielen Eltern schwer. „Schließlich entwickelt das Kind eine starke Bindung zur Tagespflegeperson. Vor allem Mütter kommen damit nicht auf Anhieb zurecht.“
 

Sowohl das gegenseitige Kennenlernen von Eltern und Tageseltern als auch eine längere Eingewöhnungszeit, in der die Mutter dabei bleibt, erleichtert den Anfang. Denn es ist letztlich eben dieser intensive Kontakt und die Integration in ein „ganz normales“ Familienleben, das Eltern an der Betreuung ihrer ganz kleinen Kinder bei einer Tagespflegeperson schätzen. Bei Fragen zur Tagespflege in Schermbeck – sowohl zur Vermittlung als auch zur Bewerbung als Tagespflegeperson – ist Mechthild Bußmann beim Kreis Wesel zuständig. Sie ist unter der Telefonnummer (0281) 207-7115 zu erreichen. JS/GK


Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Unter der Fachstelle Frau und Beruf des Kreises Wesel werden zahlreiche Angebote und Serviceleistungen zum Thema Familie und Beruf gebündelt. Dazu gehören die Beschäftigungsförderung von Frauen, die allgemeine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Stärkung der Familienfreundlichkeit in Unternehmen. Der nächste Beratungstag der Fachstelle findet am Dienstag, 15. Mai 2012 von 9 bis 16 Uhr, in Wesel (Reeser Landstr. 31) statt. Für die einstündige, kostenlose Beratung ist eine Anmeldung unter (0281) 207-2201 oder (0281) 207-3201 erforderlich. Um die Organisation der Kinderbetreuung zu unterstützen, hat die Fachstelle im Januar eine Checkliste veröffentlicht, mit deren Hilfe Eltern den Betreuungsbedarf für ihr Kind ermitteln können. Näheres dazu unter www.kreis-wesel.de.

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