„Heute ist mein bester Tag“

Berthold Lensing machte sich mit 23 weiteren Pilgerern auf den Weg nach Münster – In LebensArt erzählt er von diesem Erlebnis

Reken - Seit vielen Jahren organisiert die Kolpingfamilie Klein Reken eine Wallfahrt für Fußgänger und Radfahrer nach Münster. Zahlreiche Teilnehmer sind „Wiederholungstäter“
und kommen aus Reken, Heiden und Lembeck. In diesem Jahr ließ sich auch Berthold Lensing motivieren, an dieser Wallfahrt teilzunehmen. Das bedeutete immerhin 56 Kilometer zu Fuß zu laufen und das an einem Tag. Diese Aktion berührte ihn zum Schluss so sehr, dass er sich entschloss, das Erlebnis niederzuschreiben.

 

„Angefangen hat alles im Februar 2012, als mich mein Wanderkollege Georg fragte, ob ich nicht einmal bei der Fußwallfahrt nach Münster mitlaufen wolle. Diese wäre eine gute Übung für unsere Bergwanderung im Juli. Georg lief das Jahr zuvor schon mit und das Jahr davor fuhr er mit der Fahrradgruppe der Kolpingfamilie nach Münster. Ich überlegte einige Tage und meldete mich dann an.

Als wir frühmorgens am Pfarrheim in Klein Reken ankamen, bemerkte ich schon die Freude der 23 weiteren Pilger. Wir wurden von Hubert Breuer herzlich begrüßt und starteten mit einem Morgensegen für die Wallfahrt. Vor dem Start bekam jeder einen Schnaps zum Aufwärmen, denn es regnete in Strömen, was sich aber im Laufe des Vormittags in schönes und angenehmes Wetter änderte. Punkt drei Uhr ging es los. Vorne weg lief Clemens Kuckuk mit dem Kreuz, der die ersten fünf bis sieben Kilometer das Tempo bestimmte. Am Gevelsberg hingen mir der Wind und der Regen schon in den Sachen und bei Langnese Iglo überlegte ich kurz: „Schwenkst du ab, Richtung zuhause?“ Ich überlegte zu lange und schon waren wir im Surendorf an der Kapelle: unsere zweite Station.

Die Stimmung war bei allen trotz des Regenwetters sehr gut. Wir liefen weiter durch Hülsten, Richtung Eiling, wo der erste Rosenkranz gebetet wurde. Ich musste zu meinem Erschrecken erkennen, dass ich das als Messdiener das letzte Mal gemacht hatte. Beim Beten merkte ich aber, „du läufst besser“ und im Nachhinein ging es jedem so wie mir. Bei Kilometer 13 ließ endlich auch er Regen nach.

In der Morgendämmerung kamen wir bei Familie Kreuzwacht in Börnste an. Dort wartete ein reichhaltiges Frühstück auf uns, das von Norbert Kuckuk mit dem Wagen und Anhänger angeliefert wurde. Das war auch gleichzeitig eine gute Gelegenheit sich untereinander etwas besser kennenzulernen. Nach dem Frühstück wurde noch ein Gebet gesprochen und um 6.45 Uhr ging es weiter Richtung Dülmen, wo an der Kreuzung Coesfelder Straße der zweite Rosenkranz gebetet wurde. Wiederum bemerkte ich, dass beim Beten das Laufen besser wurde und ich den Rosenkranz laut mit betete, wie alle anderen auch. Es war schon etwas Gemeinsames und ich merkte, wir fühlen alle ähnlich.
 

In Karthaus am Sankt Katharinen-Stift hatten wir Gelegenheit, uns etwas frisch zu machen und hielten anschließend eine Morgenandacht in der Kapelle. Das Thema: „Warum pilgern? Unterwegs sein, wonach suchen wir?“ Nach dem zweiten Frühstück liefen wir durch die Bauernschaft Limbergen, machten an einer weiteren Kapelle Rast und liefen weiter Richtung Nottuln. Nach 34 Kilometern folgte eine weitere Pause zwischen Nottuln und Bösensell bei der Familie Plogmaker. 39 Kilometer hatten wir bis dahin hinter uns gebracht. An der Hofeinfahrt gab es eine schöne geschmückte Marienstatue und es standen Stühle, Tische und Kaltgetränke für uns bereit. Nach einem Gebet und dem Singen eines Marienliedes ging es weiter in Richtung Bösensell. Hier wurde zu Mittag gegessen. Auch die Radwallfahrer stießen zu uns. Nach einer Stunde Pause ging es weiter. Nun wollte ich das Kreuz tragen. Nach gefühlten zehn Kilometern, das waren aber wirklich nur knapp vier Kilometer, machen wir Rast in einem schönen Wäldchen an der Bösenseller Straße, wo wir mit Kuchen und Getränken versorgt wurden. Beim Vorbeilaufen am Münstraner Zoo dachte ich angesichts eines Busses: „Darin würd ich jetzt gern sitzen und nach Münster hineinfahren“. Aber unser Ziel war es, gemeinsam in Münster zu Fuß anzukommen und dies bestärkte mich. Der Beifall der Radfahrer, die am Hotel Mövenpick schon auf uns warteten, verursachte bei mir eine Gänsehaut. Ich war sehr stolz, diesen Pilgerweg von insgesamt 56 Kilometer gemeinsam mit den anderen geschafft zu haben. Mit einer Abschlussandacht in der Überwasserkirche endete für uns Fußpilger, Fahrradpilger und Abholer der gemeinsame Tag. In Klein Reken zurück, setzten wir uns noch gemeinsam ins Feuerwehrhaus und ließen den Tag Revue passieren.

Ich möchte allen danken, die diesen Tag vorbereitet haben. Das war für mich die erste Fußwallfahrt mit der Kolpingfamilie, aber bestimmt nicht die letzte! Ganz nach dem Motto: Heute ist mein bester Tag – nutze den Tag.“

Berthold Lensing

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