Gregor Mendels Kreuzungsversuche mit Erbsen zeigen, was heraus kommt, wenn man A mit B kreuzt. Um einiges komplizierter als bei dem Naturforscher geht es jedoch in der Pferdezucht zu. Theo Dieckmann vom gleichnamigen Hof in Feldhausen weiß das nur zu genau. Seit den 1960-er Jahren züchtet er Pferde, vor allem Springpferde. Viele seiner Fohlen laufen in den hohen Klassen des Turniersports. Einige hat er sogar ins Ausland, nach Amerika und Australien, verkauft.
Foto: Gabriele Knafla
Momentan springen gleich drei junge Fohlen über die Wiesen des Hofs am Lohbraucksweg 6. Einen ganz besonderen Blick hat Theo Dieckmann dabei auf den Nachwuchs seiner Stute Frau Holle. Einen Namen hat das Fohlen mit seinem dunklen, flauschigen Fell noch nicht. „Den bekommt es erst, wenn es eingeritten wird“, sagt Theo Dieckmann. Auf den Nachwuchs der Schimmelstute ist er besonders stolz, nicht nur, weil Frau Holle in den großen Turnierklassen erfolgreich war und diese Vermögen mit vererben kann, sondern weil sie von einem alten Stamm gezogen ist mit Blut von Foxhunter und Don Juan.
Zahlreiche Vererber und Zuchtstuten kennt Theo Dieckmann und weiß, welche Stute zu welchem Hengst passt. „Die Pferdezucht hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Die Stuten gehen nicht mehr zum Hengst, um gedeckt zu werden, sondern die Befruchtung erfolgt auf künstlichem Wege.“ Auch werden die Pferde heute nicht mehr zur Arbeit, sondern vor allem im Sport und in der Freizeit eingesetzt. Das Exterieur und auch das Wesen der Pferde hat sich verändert. „Man züchtet heute viel mehr Blut mit rein“, sagt Theo Dieckmann. Vollblutlinien werden dabei mit Warmblütern gekreuzt. „Die Pferde sind dadurch feiner geworden und auch intelligenter“, sagt der Kirchhellener.
Schon bei dem Nachwuchs lässt sich das erkennen. „Wir gucken besonders darauf, ob ein Fohlen großrah- mig gebaut ist, ob es eine schöne Oberlinie hat und ein hübsches Gesicht.“ Und auch auf den Gang kommt es an. Schwung- und taktvoll sollte er sein. Beurteilt wird dieses bei den 60 Fohlen- und Stutenschauen, die zwischen Mai und Juli in ganz Westfalen stattfinden. Hier werden alle Fohlen des Jahres sowie die 3-jährigen Stuten der Kommission des Pferdestammbuches vorgestellt. Dabei geht es um die Beurteilung der Qualität eines Fohlens als späteres Reit- oder Zuchtpferd sowie um die Registrierung zur Ausstellung des Pferdepasses. Bei der alljährlichen Stuten- und Fohlenschau auf dem Hof Dieckmann finden sich daher stets zahlreiche Pferdezüchter mit ihren Fohlen und Stuten ein.
Foto: Gabriele Knafla
Noch eine Besonderheit ist der allmonatliche Züchterstammtisch auf dem Hof Dieckmann. Seit Jahren treffen sich hier die Züchter aus Kirchhellen und Umgebung, um sich über ihre Zuchterfolge und alle Neuheiten rund die Pferde auszutauschen. Und sie alle wissen, die Pferdezucht ist schwierig geworden, ebenso wie der Verkauf. „Ein wirklich herausragendes Pferd zu züchten kommt einem Sechser im Lotto gleich“, sagt Theo Dehling, der seit mehr als 40 Jahren züchtet. Willi Diericks, ebenfalls Züchter aus Kirchhellen, pflichtet ihm bei. Ihm wurde die Pferdezucht sozusagen in die Wiege gelegt. Wie viele Fohlen genau beim ihm das Licht der Welt erblickt haben, kann er gar nicht mehr sagen. Doch auch er weiß, die Zucht hat sich verändert, ebenso wie die Ansprüche der Käufer.
Und dennoch, die Pferdzucht ist und bleibt eine Passion und für die Züchter in Kirchhellen und Umgebung ist klar, sie wollen weiter züchten. Theo Dieckmann hofft noch weitere schöne Fohlen aus seiner Frau Holle ziehen zu können. Die ist übrigens schon wieder trächtig. „Bisher habe ich keines der Fohlen abgegeben, auch wenn immer wieder Interessenten da sind“, sagt der Kirchhellener und hofft, dass er mit den Fohlen doch noch „einen Sechser im Lotto“ erlangt. gk