Schicksale auf vier Pfoten

Hunderte Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel werden im Bottroper Tierheim versorgt – Neues Zuhause gesucht

Ausgehungert und wehrlos – so fand ein besorgter Bürger ein Taubenjunges auf der Straße. Nicht einmal seinem Auto wollte das gefiederte Geschöpf weichen. Nun liegt es verstört und sichtlich erschöpft in den Händen von Sabine Gesenhaus. „Die Jungen fallen aus ihren Nestern und können alleine nicht überleben.“ Die Kirchhellenerin arbeitet als fest angestellte Fachkraft im Bottroper Tierheim.
 

Fundtiere, die aufgepäppelt werden müssen – angefangen bei Vögeln bis hin zu exotischen Tieren – werden hier regelmäßig abgegeben. „Vor kurzem haben Passanten im Wald eine Bartagame gefunden. Da Reptilien aber wechselwarm sind, also ihre Körpertemperatur nicht selbst steuern können, hat sich das Tier im Wald natürlich ziemlich verkühlt“, berichtet Sabine Gesenhaus. Jetzt aber macht es sich der schuppige Findling unter der roten Wärmelampe gemütlich und wartet auf einen fachkundigen Reptilienliebhaber, der ihn bei sich aufnimmt.

Auf einen eben solchen neuen Besitzer warten im Bottroper Tierheim noch zahlreiche weitere Zwei- und Vierbeiner. Gründe, ein Tier abzugeben, gibt es viele: Allergien, Umzug und Überforderung stehen da ganz oben. „Momentan bieten wir 80 Hunden, 120 Katzen, rund 90 Kleintieren und zahlreichen Vögeln eine Unterkunft“, sagt Hildegard Tüllmann, Vorsitzende des Vereins Tierfreunde Bottrop. Man mag bei der Zahl erschrecken, aber im Tierheim Bottrop werden alle Tiere artgerecht gehalten. Sie bekommen genügend Platz, Futter, wenn nötig ärztliche Versorgung, vor allem aber die Zuwendung der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Doch das Leben in einer Familie kann das Tierheim nicht ersetzen. Deshalb wird in die Vermittlung viel Zeit und Engagement gesteckt, damit das neue Zuhause der Tiere ein dauerhaftes wird. Auch viele Kirchhellener finden den Weg zur Wilhelm-Tell-Straße und haben bereits zahlreichen Vierbeinern ein neues Heim geschenkt.
 

Wenn es um die Vermittlung von Hunden geht, spielt die Erfahrung eine wichtige Rolle. „Bestimmte Rassen eignen sich eher für Anfänger, andere nicht“, erzählt Hildegard Tüllmann. Daher werden im Vorfeld der Vermittlung Gespräche geführt, um herauszufinden, welche Erfahrungen die Interessenten mitbringen, ob das neue Heim zum Hund passen würde und wie es mit Kindern in der Familie aussieht. „Besonders wichtig ist natürlich das Kennenlernen zwischen Hund und neuem Herrchen“, fügt Hildegard Tüllmann hinzu. Die Mitarbeiter des Tierheims kennen das Verhalten ihrer Schützlinge. Wenn die potenziellen neuen Besitzer ein paar Mal mit dem Wunschhund spazieren gehen, zeigt sich oftmals schnell, ob die Kombination passt. „Dass Hunde wieder zurückgegeben werden, kommt vor, ist aber sehr selten.“

Neben der Liebe zu den Tieren und der entsprechenden Erfahrung, muss auch Zeit da sein. Hier möchten die Mitarbeiter des Tierheims von Beginn an aufklären. „Uns ist eine gute Vermittlung wichtig. Daher machen wir auf den Aufwand, der auf die neuen Besitzer zukommt, aufmerksam, sowohl den zeitlichen als auch den finanziellen. Das gehört einfach dazu, damit man realistisch einschätzen kann, ob ein Haustier artgerecht versorgt werden kann“, betont Hildegard Tüllmann. Das gilt auch bei der Vermittlung von Katzen. Gerade jetzt ist Hochsaison, größere Tierheime haben bis zu 200 Katzen in ihrer Obhut, 120 sind es in Bottrop. „Die Babyzeit ist gerade vorbei, wir hatten viele trächtige Fundtiere. Die Jungkatzen können jetzt so langsam vermittelt werden.“ Doch so süß sie im Moment auch aussehen, das Wesen einer Katze scheint manchmal unergründlich. „Jungkatzen benötigen viel Aufmerksamkeit, das muss den neuen Besitzern bewusst sein. Wer den Großteil des Tages nicht zu Hause ist, muss damit rechnen, dass sich die Katze vernachlässigt fühlt. Die Konsequenzen sind schnell zu spüren.“ Ältere Katzen dagegen haben ihren eigenen Kopf, da muss man Geduld, aber auch Zurückhaltung üben. Wenn sie nicht schon einen Partner haben, finden die Katzen im Tierheim schnell einen lieben Artgenossen. „Deshalb würden wir uns wünschen, einige der Katzen lieber zu zweit zu vermitteln“, sagt Angelika Joormann, die sich ehrenamtlich um die Katzen kümmert und die Vermittlung durchführt.
 

Wilde Katzen werden vor allem in Kirchhellen immer wieder gefunden. Sie stammen von Bauernhöfen oder streunen in Wäldern herum. „Die Kirchhellener Bürger sind da immer sehr hilfsbereit, bringen die Katzen zu uns, damit sie kastriert werden“, sagt Hildegard Tüllmann. Alle durch das Tierheim vermittelten Tiere sind grundsätzlich kastriert. Schließlich gibt es jetzt schon genügend Tiere, die ein Zuhause suchen.

So auch bei Kleintieren. Ob Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen oder Rennmäuse – auch Nager machen Arbeit und brauchen Beschäftigung. „Wir bieten gerne Hilfestellung bei der Käfiggestaltung. Man glaubt gar nicht, wie es den Kleinen eine Freude bereitet, wenn ihnen im Käfig ein bisschen Abwechslung geboten wird“, sagt Hildegard Tüllmann. Vor allem aber wollen Nager nicht alleine sein. Kleintiere gibt es aus dem Tierheim deshalb nur im Pärchen.

Wie kann ich helfen?

Streu, Futter, tierärztliche Versorgung – der Unterhalt eines Tierheims geht gehörig ins Geld. Daher ist man auf Spenden angewiesen. Wer kein Geld spenden möchte oder kann, hilft auch mit Sachspenden wie Kleintierstreu oder Hundefutter, sollte aber vorher nachfragen, welches Futter benötigt wird. Noch dazu lädt der Verein Tierfreunde Bottrop e.V. mehrmals im Jahr zum Schnäppchenmarkt auf das Gelände des Tierheims ein. Der Erlös kommt dem Tierheim zugute. Der nächste Schnäppchenmarkt ist am 12. August (weitere Termine: 9. September und 7. Oktober), jeweils von 10 bis 15 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (02041) 93848 oder im Internet unter www.tierheim-bottrop.de.

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