Lösungen für die Schneiderstraße?

Die Planungsphase zur Sanierung der Schneiderstraße hat begonnen, die Verträge sind bereits unterschrieben und die Kanalarbeiten werden wohl zeitnah beginnen

Kirchhellen - Wie heißt es immer so schön in den Unterlagen, die zur Sitzung der Bezirksvertretung von der Verwaltung bereit gestellt werden: „Problembeschreibung“. Im Fall der Schneiderstraße trifft genau das den Kern der Sache. Ein wahres Problem erstreckt sich durch den Ortsteil Grafenwald, mit unzähligen Schlaglöchern, Huckeln und fehlenden Markierungen.
 

Als mangelhaft und desolat wird daher der Zustand der Straße in jenen Unterlagen beschrieben. Hier besteht Handlungsbedarf und das schon seit Jahren. Mehrfach wurde daher die Schneiderstraße zum Gegenstand der Tagesordnung, Diskussionen noch und nöcher wurden zu diesem Thema geführt. Doch nun scheint sich das dringend benötigte Sanierungsprogramm zu konkretisieren. „Ehrlich gesagt, ich war erstaunt, als ich die Vorlage zur Vertreterversammlung von Seiten der Stadtverwaltung erhielt. Erstaunt über die plötzlich so konkreten Pläne“, sagt Dorothee Askemper von der CDU bei der Sitzung und wies im gleichen Atemzug daraufhin, dass nun eine Bürgerversammlung unbedingt nötig sei. Schließlich gehe es vor allem die Anwohner an, was mit der Schneiderstraße geschieht, denn letztlich werden sie es wohl sein, die einen Großteil der Sanierungsarbeiten bezahlen müssen.

Die wiederum wissen eigentlich noch von nichts. Denn es gab bislang noch keinen Brief oder eine Mitteilung an die Anwohner oder Hausbesitzer. Was Ruth Rosing-Große-Kreul, Anwohnerin der Schneiderstraße, besonders ärgert: „Wie so oft sind wir lediglich aus der Presse informiert worden und haben keine offizielle Information erhalten. Von daher ist für uns bislang alles nur Spekulation.“ Spekulationen ja, aber konkrete Pläne gab es bisher nicht.

Doch nun macht die Ingenieurgesellschaft PTM GmbH aus Dortmund verschiedene Vorschläge zur Sanierung. Insgesamt drei Varianten standen bei der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung zur Diskussion.
 

Variante 1
Mit dieser wird ein Vollausbau der Schneiderstraße gefordert. Die komplette Erneuerung würde Gesamtausgaben in Höhe von 2.120.000 Euro umfassen.

Variante 2
Hierbei würde allein der Fahrbahnoberbau komplett erneuert, dieses schließt auch eine Erneuerung der Fahrbahnränder mit ein. Dabei könnte die gesamte Fahrbahn auf insgesamt 8 Meter verbreitert werden. Die Kosten für die Erneuerung beliefen sich dann auf 1.030.000 Euro.

Variante 3
Diese Variante forciert die Sanierung der Fahrbahndecke. Dabei wird der Straßenoberbau abgefräst, die gesamte Sanierungsfläche mit einem Armierungsgitter aus Karbon ausgelegt und die neue Deckenschicht aufgetragen. Die Kosten belaufen sich dann auf 350.000 Euro.

Die Verwaltung empfiehlt dabei die Umsetzung von Variante 1. Damit würde die Schneiderstraße zeitgemäß und auf die geänderten Nutzungsansprüche hin ausgebaut werden. Daraufhin würden sich auch die dauerhaften finanziellen Aufwendungen auf die Straßenunterhaltungsmaßnahmen reduzieren. Allerdings würden bei dieser Variante die Anwohner zur Kasse gebeten. Rund 50 Prozent des Finanzierungsanteils läge bei den Anwohnern.

Und auch bei Variante 2 werden die Bürger zur Kasse gebeten und das im Hinblick auf die Aufwendungen für die Reparatur und Instandsetzung der Gehwegund Parkstreifenflächen.

Von Variante 3 rät die Verwaltung gleich ganz ab. Denn Fakt ist, dass die vorhandene gebundene Substanz der Fahrbahn ein versprödetes Bindemittel aufweist, das nicht mehr reagieren kann und die Spurrinnenbildung somit auch weiter begünstigt.

Bis zur nächsten notwendigen grundhaften Erneuerung würde sich die Nutzungsdauer der Fahrbahndecke lediglich um acht bis zehn Jahre verlängern. Eine Sanierung auf Zeit, sozusagen.
 

Wenn jedoch Variante 1 ins Spiel käme, würde das die Anwohner auf den Plan bringen. Ruth Rosing- Große-Kreul ist selbstverständlich nicht davon begeistert: „Es ist je nach Anliegerfläche mit hohen Summen zu rechnen. Und welche Rolle spielt der Bergbau bei den Schäden? Da muss noch genau geprüft werden, welche Möglichkeiten es gibt. Es sind einfach noch zu viele Unbekannte in der Gleichung, da braucht es dringend konkrete Informationen.“ Die Anwohner hat auch Bezirksbürgermeisterin Margot Hülskemper im Blick: „Die Anwohner haben seit Jahren mit dem schlechten Zustand der Schneiderstraße zu kämpfen. Die Lärmbelastung durch das Überfahren der Schlaglöcher hat ja stetig zugenommen. Außerdem haben die Hausbesitzer bereits einen Anteil an den Straßenkosten übernommen. Da müssen wir dringend nach einer Lösung schauen. Einen Fördertopf gibt es leider nicht.“ Mit in den Blick nehmen möchte sie auch die Tatsache, dass die Straße bei ihrer Entstehung bereits Mängel aufwies. Das damals beauftragte Unternehmen hat beispielsweise den Unterbau völlig unzureichend gefestigt, so dass die Schäden nach relativ kurzer Zeit bereits aufgetreten sind. „Leider ist die Firma schon kurz nach Fertigestellung der Schneiderstraße in Insolvenz gegangen!“, bedauert Margot Hülskemper. Die Gespräche mit der RAG wurden bislang zufriedenstellend geführt, die Kosten für die Kanalerneuerung und die Pläne werden übernommen. Erst müssen die Kanäle saniert sein, ehe die Straße erneuert werden kann. „Die Kanalarbeiten werden aber für die Schneiderstraße vorgezogen, so dass es zügig vorangehen kann.“

Stefan Hager, bei der RAG im Bergschadensbereich zuständig, sagt gegenüber LebensArt, dass die Verträge zur Sanierung des Kanalsystems in der vergangenen Woche durch die Stadt unter-zeichnet worden sind. „Die Stadt wird nun die Bauarbeiten von entsprechenden Firmen durchführen lassen“, sagt Stefan Hager. Damit wird nun also das Handicap behoben, das bisher eine Sanierung der Schneiderstraße ausgeschlossen hat. „Fest steht, dass wir natürlich auch die Oberfläche der Straße wieder in Stand setzen, aber eben so, wie es für das Alter der Straße angemessen ist. Daher muss jetzt in der Planungsphase geschaut werden, wie eine solche Sanierung aussieht.“ Sprich, entscheidet sich die Stadt für eine andere, teurere Instandsetzung, muss sie die Differenzsumme auch selbst zahlen.

Ein weiterer Aspekt, der Margot Hülskemper Bauchschmerzen bereitet, ist die Situation während der Bauphase: „Da müssen wir dringend nach einer geeigneten Verkehrsumleitung suchen, die die Hauptader Grafenwalds, die die Schneiderstraße ja nun einmal ist, entlastet. Auch da muss die Verwaltung zügig nach Lösungen suchen.“ Die Bezirksvertretung hat die Verwaltung aufgefordert, so bald ein Ausbauplan erstellt ist, die Gremien zu informieren und danach sofort die Bürgerversammlung einzuberufen. gk/gj

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