Schermbeck - Urlaub mag für den einen Sonne, Strand und Meer bedeuten, manch anderer sehnt sich in seiner freien Zeit aber auch nach einem wahren Kontrastprogramm
zum stressigen (Arbeits-)Alltag. Dann heißt es: rein in die Wanderschuhe oder rauf aufs Rad und nichts wie raus in die Natur.
Der passende Urlaubsort ist schnell gefunden. In der Sächsischen Schweiz geht nicht nur Naturfreunden das Herz auf, vor allem Wanderer erfreuen sich an den abwechslungsreichen Wegen und Strecken. Zu einer der schönsten Routen Deutschlands gehört der 112 Kilometer lange Malerweg Elbsandsteingebirge. Seinen Namen hat er sich redlich verdient, schließlich inspirierte er zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Musiker und verhalf ihnen zu großartigen Arbeiten. Seit einem Jahr können die Wanderer sogar auf den Spuren der Künstler wandeln. Wo einst Holzstiche, Zeichnungen und Gemälde entstanden sind, informieren nun Schautafeln mit den jeweiligen Abbildungen über die Maler und ihre Erfolge. Dabei waren es nicht nur die damaligen kreativen Köpfe, die sich der Anziehungskraft der Sächsischen Schweiz nicht entziehen konnten. Vielerorts trifft man auch heute auf der beliebten Wanderstrecke Künstler, die die Schönheiten der Natur für die Ewigkeit im Bilde festhalten. Zudem finden sich in der Region noch immer zahlreiche Ateliers, die, zum Teil direkt am Weg gelegen, zu Besichtigungen und Rundgängen einladen.
Doch gibt es noch weitaus mehr auf dem Malerweg im Elbsandsteingebirge zu bestaunen, schließlich beheimatet er viele Sehenswürdigkeiten, die die Sächsische Schweiz zu einem beliebten Urlaubsziel machen. Um sich möglichst wenige Attraktionen entgehen zu lassen, lohnt es sich daher, die Wanderung in mehrere Abschnitte einzuteilen. Die an der Strecke gelegenen Unterkünfte ermöglichen eine individuelle Einteilung der Tagesetappen.
Halt machen sollte man in jedem Fall am Kuhstall, der größten Felsenhöhle der Sächsischen Schweiz. Mit elf Metern Höhe und 24 Metern Tiefe beeindruckt sie heute die Besucher mit ihrem wuchtigen Erscheinungsbild. Während des 30-jährigen Kriegs, so lautet zumindest eine mögliche Erklärung für die Namensgebung, diente die Höhle aber vielmehr den Bauern als Schutz, um ihre Kühe vor Raubzügen zu verstecken.
Hin und wieder lohnt es sich, den Blick auch mal neben die Wanderwege gleiten zu lassen. Sonst entgeht einem womöglich zum Beispiel die Gautschgrotte. Etwas versteckt und abseits des Hauptweges ragen zehn bis 20 Meter hohe Felswände auf, die von einem weichen Teppich aus Moosen und Farnen bedeckt sind. Die Grotte bietet vor allem im Winter spektakuläre Bilder, wenn das Wasser zu einem riesigen Eiszapfen gefriert.
Wer hingegen die Umgebung statt auf zwei Beinen lieber auf zwei Rädern erkunden möchte, kann die reizvollen Landschaften auch mit Hilfe der zahlreichen Radwege erkunden. Wenn der eigene Drahtesel in der heimischen Garage geblieben ist, bietet sich ein Mietfahrrad an, wie sie zu Genüge in den Ortschaften angeboten werden.
Für eine Anfängertour empfiehlt sich ein Ausflug von Bad Schandau nach Schöna. Die rund 20 Kilometer lange Route führt über Krippen und Hirschmühle in das 1500-Seelen-Dorf Schöna. Immer wieder laden Gaststätten, Aussichtspunkte und Bänke zu einer kurzen Verschnaufpause oder einer kleinen Stärkung ein, so dass einem entspannten Tagesausflug nichts im Wege steht. Damit auch der sportliche Aspekt beim Radeln nicht zu kurz kommt, ist die Tour, die über Hirschgrund zurück nach Bad Schandau führt, mit vereinzelten Steigungen gespickt. Eine schöne Aussicht verspricht in jedem Fall die Rückfahrt. Ab Hirschgrund geht die Route nämlich über in den Elberadweg und führt an selbiger entlang. Wenn die Zeit es zulässt, lohnt sich ein Abstecher auf die andere Elbseite. Eine Fähre fährt in regelmäßigen Abständen von einer Uferseite an die andere und entlässt die Passagiere zu einem Besuch des Nationalparks, Heimatmuseums oder Stadtparks.
Für den historischen Aspekt während des Urlaubs sorgt die Schlösser-Radtour. Die etwa 40 Kilometer lange Strecke führt unter anderem zum Barockgarten Großsedlitz. Hier erinnern Wasserspiele, Sandsteinskulpturen und 200 Orangenbäumchen an die prunkvollen Feste, die einst August der Starke veranstaltete. Von dort geht es weiter zum Schloss Weesenstein, vorbei an den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg und zum Schloss Kuckuckstein. Den Abschluss bildet schließlich das Landschloss Zuschendorf. Wem eine bloße Besichtigung nicht ausreicht, kann sich in den Museen weitere Hintergrundinformationen einholen. Wer hätte geahnt, dass aus einem Aktivurlaub auch schnell eine Kulturreise werden kann? mh