Der Wille der Eltern zählt

Bevor es zur Gründung einer Sekundarschule in Kirchhellen kommt, werden die Eltern der potenziellen Schüler befragt – Informationsveranstaltungen starten im November

Kirchhellen - Schule hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und der demografische Wandel wird noch weitere Veränderungen mit sich bringen. Auf diese Veränderungen muss auch die Stadt Bottrop reagieren. Daher steht für das Schuljahr 2015/16 nun die Gründung einer neuen Schulform an, die der Sekundarschule.
Eigentlich sollte die Sekundarschule schon zum Schuljahr 2014/15 starten und am Standort Kirchhellen die Antwort auf schwindende Schülerzahlen und auf eine fehlende Realschule sein. Ebenso wie die Möglichkeit, Schüler auch in Zukunft noch individueller zu fördern. Doch der Wille der Eltern steht über allem. Nun sollen sie zunächst nach ihrer Meinung gefragt werden, bevor der Rat der Stadt Bottrop die endgültige Entscheidung über die Einführung und Form des neuen Schulmodells fällt.
 

Fest steht schon jetzt, dass es in den kommenden Jahren immer weniger Schüler geben wird. Das wird letztendlich auch eine Schließung von Standorten nach sich ziehen. Doch zunächst einmal soll der Standort in Kirchhellen gestärkt werden. Idee ist es, einen Ersatz für die bestehende Hauptschule und gleichzeitig den Schülern die Möglichkeit zu schaffen, einen Realschulabschluss zu erlangen. Ein Modell, das nach Ansicht von Karl Trimborn, Fachbereichsleiter für Jugend und Schule, in Kirchhellen funktionieren kann. „Die Schülerzahlen in Kirchhellen sind derzeit noch sehr gut, allerdings wandern auch hier immer mehr Schüler nach Dorsten oder Gladbeck ab.“ Denn immer weniger Eltern schicken ihre Kinder auf die Hauptschule, selbst wenn die Grundschule dafür die Empfehlung ausspricht. Eine Realschule gibt es aber in Kirchhellen nicht, daher schicken die Eltern ihre Kinder nach Gladbeck oder Dorsten. Diesem Trend will die Stadt entgegenwirken. Ein Vorteil der Sekundarschule wäre es, dass hier individuelle Förderungen der Schüler möglich sind, so dass jeder Schulabschluss erlangt werden kann. Dazu gibt es unterschiedliche Modelle: Die integrative Form beruht auf dem Konzept, dass die Schüler bis zur Klasse 10 unter Berücksichtigung einer individuellen Förderung gemeinsam unterrichtet werden. Beim teilintegrativen Modell wird ab Klasse 7 der Unterricht in Neigungs- und Leistungsprofile unterteilt. So können die Stärken und Schwächen der Schüler optimal gefordert beziehungsweise aufgefangen werden. Bei der kooperativen Form werden ab der Klasse 7 zwei Bildungsgänge eingerichtet, die zu Haupt- oder Realschulabschluss führen. Durch eine verbindliche Kooperation der Sekundarschule mit einem Gymnasium, einem Berufskolleg oder einer Gesamtschule haben die Schüler zusätzlich die Möglichkeit nach der 10. Klasse in die Oberstufe zu wechseln.
 

„Die Sekundarschule, egal welcher Form, wird aber nur gegründet, wenn es Wille der Eltern ist“, sagt Karl Trimborn. Daher wird es im November insgesamt vier Informationsabende geben, zwei davon auch in Kirchhellen (siehe Kasten). „Bevor wir die räumlichen und sächlichen Voraussetzungen schaffen, wollen wir erst einmal die Meinungen der Eltern einholen.“ Denn um die Sekundarschule gründen zu können sind 75 Anmeldungen nötig, das ist Grundvoraussetzung. Daher werden nach der Infoveranstaltung die Eltern aller Zweit- und Drittklässler angeschrieben. Der Fragebogen soll das Meinungsbild der Eltern widerspiegeln. „Die Umfrage ist anonym und unverbindlich“, sagt Karl Trimborn. Wer also hier angibt, dass er sich vorstellen kann, sein Kind an der Sekundarschule anzumelden, muss dieses im Zweifel nicht tun.

Um Weihnachten erfolgt die Auswertung der Befragung, so dass dem Rat der Stadt Bottrop im Februar das Ergebnis präsentiert werden kann. „Nach der Entscheidung des Rates wird eine Vorbereitungsgruppe gegründet, die ein pädagogisches Konzept erstellt.“ Doch damit nicht genug. Die Stadt Bottrop steht zudem vor der Herausforderung, aus der jetzigen Hauptschule, die derzeit 2-zügig aufgestellt ist, eine 3-zügige Ganztagsschule zu entwickeln. „Dazu benötigen wir natürlich mehr Raum. Nicht nur für die Klassen selbst, es werden auch mehr Fachräume benötigt und spezielle Differenzierungsräume. Diese Voraussetzungen zu schaffen obliegt der Stadt“, sagt Karl Trimborn. Er sieht daher eine Kombination aus Hauptschule, Neubau und Schulpavillons für sinnvoll. „Denn zunächst wird die Hauptschule ja parallel weiterlaufen.“ Erst wenn die Fünftklässler des Jahrgangs 2014/15 die Hauptschule abschließen, wird das Modell auslaufen, beziehungsweise vollständig von der Sekundarschule abgelöst. „Es wird also zunächst in Kirchhellen zwei Schulleiter, zwei Sekretariate und zwei Lehrerkollegien geben.“

Um das alles gut zu planen, wird die Vor­bereitungs­gruppe sich natürlich bereits bestehende Sekundarschulen anschauen und dortige Erfahrungen mit in das Konzept für Kirchhellen einfließen lassen. „Hier können wir von den Erfahrungen anderer Städte lernen und diese für uns nutzen“, sagt Karl Trimborn.  Vor den Sommerferien 2014 soll es dann eine Bedarfsabfrage geben. Dann wird es ernst, denn bei dieser muss die Mindestzahl von 75 Schülern tatsächlich erreicht werden, damit die Sekundarschule gegründet werden kann. „Ich rechne aber fest damit, dass wir die Anzahl zusammenbekommen“, prognostiziert Karl Trimborn. Im Februar 2015 soll es dann ein vorgezogenes Anmeldeverfahren für die Sekundarschule geben. Um die Eltern auf den Weg dorthin zu begleiten, starten am 5. November die Informationsveranstaltungen. Uwe Biel, Schulaufsichtsbeamter, wird dabei zu Fragen Stellung nehmen und erläutern, was sich hinter den einzelnen Formen der Sekundarschule verbirgt. „Ich denke die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass wir in Kirchhellen bald eine Sekundarschule gründen können“, prognostiziert Karl Trimborn. Ob er mit seiner Einschätzung richtig liegt, wird sich nach der ersten Elternbefragung zeigen. LebensArt wird weiter für Sie über das Thema berichten.  gk


Informationsveranstaltungen


Um die notwendigen Informationen zu dieser Schulform und deren unterschiedlichen Organisationsformen weiterzugeben, führt die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht  insgesamt vier Informationsveranstaltungen zur vorgesehenen Sekundarschule durch. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, insbesondere aber die Eltern der derzeitigen Zweit- und Drittklässler, sind zu den Informationsveranstaltungen herzlich eingeladen. Sie finden statt am:

Dienstag, dem 5. November, ab 19 Uhr im Brauhaus Kirchhellen (Kirchhellener Ring 80-82),

Dienstag, dem 12. November, ab 19 Uhr in der Aula des Heinrich-Heine-Gymnasiums (Gustav-Ohm-Straße 65/67),

Montag, dem 25. November, ab 19 Uhr in der Aula der Hauptschule Welheim (Welheimer Straße 80–82) sowie nochmals am

Dienstag, dem 26. November, ab 19 Uhr im Brauhaus Kirchhellen (Kirchhellener Ring 80-82).

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