Schermbeck - „Er kam zu uns als Fremder und geht als unser Sohn”, erzählt Frank Große Brinkhaus. Der 15-jährige Amr Atta aus Kairo in Ägypten war für ein Schuljahr zu Gast bei Frank und seiner Frau Andrea Große Brinkhaus in Schermbeck, die ihn von September bis Juli als Gasteltern aufnahmen. Hier ging er zur Schule und lernte Deutschland, die hiesige Kultur und Sprache kennen.
Über den Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. wurde Amr der Deutschlandaufenthalt ermöglicht. AFS ist ein gemeinnütziger Verein für den Jugendaustausch und interkulturelles Lernen. Die Organisation arbeitet ehrenamtlich und bietet unter anderem das Schüler- und Gastfamilienprogramm an. So ermöglicht der Verein den Schülern und Gastfamilien über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, eine andere Kultur kennenzulernen und so zur Völkerverständigung beizutragen.
Auch Amr und seine Gasteltern konnten durch den Austausch viel über die jeweils andere Kultur lernen. „In Ägypten isst man zum Beispiel den Teller nicht leer. Man lässt immer etwas darauf, um zu zeigen, dass man satt ist und nicht noch mehr essen möchte”, weiß Andrea Große Brinkhaus. „Wenn einem etwas angeboten wird, dann lehnt man das in Ägypten erst zwei oder dreimal ab, bevor man dann beim dritten Mal ja sagt.” Amr wurde vor dem Schüleraustausch bereits auf deutsche Gepflogenheiten vorbereitet.
Als allerdings sein Zwillingsbruder ihn in der Gastfamilie für ein paar Tage besuchte, musste dieser erst darauf hingewiesen werden, dass man in Deutschland etwas zu Trinken oder zu Essen nicht aus Höflichkeit ablehnt. „Der wäre hier ansonsten verhungert und verdurstet”, lacht Andrea Große Brinkhaus. „Hier ist es halt nicht üblich jemanden dreimal zu fragen, ob er etwas trinken möchte.”
Amr lernte in Deutschland ebenfalls viel Neues kennen. „An einem Tag kam er nach Hause und sagte, ich kann nichts sehen, denn es war nebelig draußen und da mussten wir ihm ersteinmal erklären, was Nebel ist – Sachen die für uns selbstverständlich sind, kannte er gar nicht”, erzählt Andrea Große Brinkhaus. Auch vom Regen war Amr zunächst sehr begeistert. „Dazu muss man wissen, dass Kairo nur auf durchschnittlich zwei Regentage im Jahr kommt, da ist Regen etwas Seltenes”, erklärt Andrea Große Brinkhaus. Nach zehn Monaten in Deutschland ist Amr allerdings auch nicht mehr so begeistert vom deutschen Regenwetter. Auf die Nachfrage, ob er den Regen noch mag, antwortet er: „Nein, eher nicht so.” Hin und weg ist er allerdings vom Schnee. Bei einem Ausflug nach Bayern sah der 15-jährige Ägypter zum ersten Mal in seinem Leben Schnee. Ein Erlebnis, das er so schnell nicht vergessen wird.
Amr hat sich in seinem Schuljahr in Deutschland in seine Gastfamilie integriert, neue Freunde kennengelernt und die deutsche Sprache gelernt. In Ägypten hatte er Deutsch in der Schule, „aber als er herkam, reichten seine Kenntnisse über ich heiße, ich bin und ich komme daher nicht hinaus”, sagt Frank große Brinkhaus. „Nun spricht er richtig gut Deutsch.” Anfang Juli ging es für Amr zurück nach Hause, aber eines ist sicher, in Schermbeck bei der Familie Große Brinkhaus hat er sein zweites Zuhause gefunden. Und damit der Abschied nicht ganz so schwer fällt für Andrea und Frank Große Brinkhaus kommt im September Amrs Zwillingsbruder für ein Schuljahr als Gastsohn zu ihnen. Ein Besuch in Kairo steht vielleicht auch irgendwann an, denn Amrs Eltern wollen sich unbedingt erkenntlich zeigen dafür, dass ihre Söhne so herzlich aufgenommen wurden.
Andrea und Frank Große Brinkhaus sind begeistert von ihrer Rolle als Gasteltern. „Wir können das wirklich nur jedem weiterempfehlen. Das ist eine Bereicherung für beide Seiten.” Gasteltern werden immer gesucht, damit möglichst viele Kinder so spannende Erfahrungen machen können wie Amr. go
Weitere Informationen für interessierte Gasteltern oder Austauschschüler auf der Internetseite www.afs.de.