Foto: Privat
Schermbeck - Zu einer Reise in die Dominikanische Republik machen sich fünf Jugendliche aus Schermbeck auf den Weg. Sie werden vom 20. Juli bis 15. August in der Partnergemeinde „Nuestra Senora de la Paz in San Cristóbal“ für vier Wochen aushelfen. Diese Art des Partneraustausches findet zwischen den Pfarrgemeinden St. Ludgerus in Schermbeck und Nuestra Senora de la Paz in San Cristóbal bereits seit 1991 statt. Junge Schermbecker fahren regelmäßig für einen vierwöchigen Arbeitseinsatz nach San Cristóbal.
In diesem Jahr sind es Judith Baumeister, Helen Becker, Miriam Keil, Jana Schmidt und Mareike Wessel, die nach bestandenem Abitur für ein paar Wochen einen Blick über Schermbeck hinaus tätigen möchten. „Dort machen sie aber keineswegs Urlaub, sondern packen mit an“, erzählt Diakon Ekkehard Liesmann. „Im Vordergrund steht der Bau kleiner ländlicher Kapellen, die gleichzeitig als Schutzräume bei Wetterkatastrophen dienen oder die Jugendlichen führen kleine Reparaturen in den Schulen vor Ort durch.“
Überrascht sind die Reisenden immer wieder über die einfachen Lebensbedingungen vor Ort. „Sie sehen dort zum Teil bittere Armut und erfahren, wie es ist, wenn man einige Stunden am Tag ohne Strom auskommen muss“, sagt Ekkehard Liesmann. Beim Wirbelsturm George 1998 beispielsweise bewährten sich die Kapellen als Lebensretter für viele Menschen. „Bislang waren etwa rund 80 Jugendliche aus Schermbeck in der Dominikanischen Republik zu Gast. Ein über das andere Mal kommen Gäste aus San Christobal zu uns. Von den etwa 50 jungen und älteren Erwachsenen war die älteste bereits 70 Jahre alt und so fit, dass wir uns über ihr Engagement und ihr Temperament nur wundern konnten“, berichtet Liesmann. Beachtenswert sind dabei die Beziehungen, die über all die Jahre entstanden ist. Der Kontakt zu ehemaligen Gästen oder den Patres besteht noch immer. „Sogar eine Ehe ist aus dem Austausch entstanden.“ Finanziert wird der Austausch aus Eigen- und Landesmitteln.
Begonnen hat der gegenseitige Besuch aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Pfarrkirche. „Wir wollten damals in einer Gemeinde der sogenannten Dritten Welt beim Bau einer Kirche helfen – als ideelle Wiedergutmachung für unsere schöne Pfarrkirche sozusagen. Über das bischöfliche Hilfswerk ADVENAT kam im 1989 schließlich der Kontakt zur Nuestra Señora de la Paz zustande.
Mit einem Betrag von damals 50.000 DM konnte der Bau einer neuen Kirche ermöglicht werden. Als sie fertig war, dachten wir: Warum sollen wir eigentlich aufhören?“ So entstand eine Partnerschaft, die nun schon viele Jahre anhält. Diese besteht in erster Linie aus drei Säulen. Zum einen gibt es das Gesundheitsprojekt: Im Gebäude der Partnergemeinde wird nämlich ein Gesundheitszentrum betrieben. „Das öffentliche Gesundheitswesen ist dort sehr marode und die medizinische Versorgung katastrophal“, so Ekkehard Liesmann. „Eigentlich geht man dort nur ins Krankenhaus, um zu sterben.“ Mithilfe eines festen Spenderstammes finanzieren die Schermbecker Medikamente und medizinische Geräte für das Gebäude in der Partnergemeinde. Die zweite Säule bildet das Thema Schule: Einige Schermbecker haben sich seit 1992 zu monatlichen Beiträgen verpflichtet, mit deren Hilfe zurzeit etwa 45 Kindern und Jugendlichen der Besuch der kirchlichen Grund- und weiterführenden Schule „Santa Rita“ ermöglicht wird. Sie gehört zu den fünf besten Schulen des Landes.
Und dann gibt es noch den Jugendaustausch. „Es hat sich eine Menge entwickelt in der Zeit und es ist schön, daran teilzuhaben. Den Menschen geht es jetzt besser als vor 25 Jahren. Auch der Staat der Dominikanischen Republik hat erkannt, wie wichtig Bildung und Gesundheitsvorsorge für die Menschen sind“, sagt Ekkehard Liesmann, der sich in naher Zukunft etwas aus der Verantwortung für den Partneraustausch zurückziehen möchte. In Christiane Geurts hat er bereits eine Nachfolgerin gefunden. GJ