Tanze Samba die ganze Nacht

Karneval in Rio de Janeiro gilt als die größte Party der Welt – Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Parade der Sambaschulen im Sambódromo im Februar

Kirchhellen - Fantasievolle, aufwendig gestaltete Glitzer- und Federkostüme, gigantische Motivwagen, lautstarke Trommelklänge und leicht bekleidete Samba-Tänzerinnen, die zu heißen Rhythmen die Hüften schwingen: Wenn der Karneval in Rio de Janeiro seinen Höhepunkt erreicht, verwandelt sich die brasilianische Stadt des Zuckerhuts in ein Feuerwerk der Farben. Wer schon vom rheinischen Karneval nicht genug bekommen kann, wird an diesem spektakulären Fest seine helle Freude haben. Vom 13. bis zum 18. Februar können Jecken und Narren die heiße Phase des Karnevals in Rio wieder live erleben.

In Brasilien beginnen die Feierlichkeiten am Freitag vor Aschermittwoch. Dann wird tagelang auf den Straßen gefeiert, gesungen und getanzt. Den Höhepunkt bildet schließlich die Parade der Sambaschulen im Sambódromo da Marquês de Sapucaí – kurz Sambódromo. Die im Jahr 1984 von Oscar Niemeyer erbaute Tribünenstraße im Stadtteil Cidade Nova ist etwa 700 Meter lang und fasst 88.500 Zuschauer.
 

Einen Hinweis auf die Ursprünge der Veranstaltung liefert der Begriff Karneval: Er leitet sich ab vom lateinischen Wort „Carne Vale“, was übersetzt so viel heißt wie „Abschied vom Fleisch“. Schließlich findet das Straßenfest in den letzten Tagen vor der Fastenzeit statt, die am Aschermittwoch beginnt und bis zum Osterfest andauert. Bereits im Jahr 1840 wurde der erste Karneval in Rio de Janeiro veranstaltet – allerdings ohne Samba. Überraschenderweise schwangen die Menschen ihre Hüften anfangs zu Polka und Walzer. Der heute bekannte brasilianische Samba wurde erst 1917 eingeführt. Ursprünglich stammt dieser aus Westafrika. Die Musik haben Sklaven mitgebracht, die das ehemalige koloniale Mutterland Portugal ab der Mitte des 16. Jahrhunderts importieren ließ. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1888 ließen sich viele von ihnen im Süden Brasiliens nieder und sorgten dafür, dass Samba dort zunehmend an Popularität gewann. Musiker und Tänzer kamen regelmäßig an bestimmten Orten zusammen, um ihr Talent zu präsentieren. Irgendwann bildeten sich daraus Gruppen und Clubs, die kleine Wettbewerbe austrugen. In der Folge entstanden schließlich die Sambaschulen. Sogar ein Verband, die sogenannte „Liga Independente das Escolas de Samba do Rio de Janeiro“ wurde gegründet. Dieser organisiert die jährlich stattfindende Parade gemeinsam mit dem Tourismusbüro der Stadt.
 

Bereits am Freitag vor Aschermittwoch übergibt der Bürgermeister von Rio de Janeiro symbolisch den Schlüssel der Stadt an König Momo, dem Sinnbild des Karnevals. Im Anschluss starten in der ganzen Stadt Straßenumzüge und Karnevalsbälle, an denen jeder teilnehmen kann. Für Touristen eignet sich auch ein Besuch der sogenannten Aufstiegs- oder Goldgruppen-Parade am Karnevalsfreitag und -samstag im Sambódromo, bei der die Sambaschulen um einen Platz in der Sondergruppe für das nächste Jahr kämpfen. Diese Präsentationen bewegen sich auf sehr hohem Niveau, dennoch sind die Eintrittskarten verhältnismäßig günstig.

Zu den Highlights zählen unter anderem auch der Cordão do Bola Preta Ball in Leblon oder der Magic Ball im Copacabana Palace Hotel, bei dem sich sicher auch die eine oder andere Berühmtheit die Ehre gibt. Mitten auf Rios Straßen sorgen die sogenannten Blocos für gute Stimmung – teilweise schon seit Januar. Bei diesen Straßenumzügen ziehen Wagen mit Musik durch die Stadt und animieren zum Mittanzen. Zu den berühmtesten zählen der Umzug des Vereins Cordão do Bola Preta in Rios Innenstadt, der am Karnevalssamstag beginnt, sowie die Straßenparty Banda de Ipanema, die an drei verschiedenen Tagen stattfindet.
 

Ihren spektakulären Höhepunkt finden die Feierlichkeiten dann in der Parade der Sambaschulen im Sambódromo, die um den Karneval-Meistertitel kämpfen. Am Karnevalssonntag und -montag treten insgesamt zwölf Sambaschulen mit jeweils 3.000 bis 5.000 Teilnehmern und jeweils fünf bis acht Festwagen auf. Ähnlich wie beim Fußball ist der Umzug in Divisionen aufgeteilt, in der es Auf- und Abstiegsplätze gibt. Eine Jury aus Punktrichtern bewertet dann die Performance der Vereine. Jede Schule muss sich für ihren großen Auftritt ein Thema aussuchen, auf das die Festwagen und die Kostüme ausgerichtet werden.

Wer dabei sein möchte, sollte sich frühzeitig um Eintrittskarten kümmern, da die Tickets oftmals schon Monate vor der Veranstaltung ausverkauft sind. Für das kleinere und mittlere Budget eignet sich ein Platz auf der Haupttribüne. Aber auch Luxus Suiten, Camarotes oder Logen stehen zu Verfügung. Am aufregendsten ist es aber, selbst an der Parade teilzunehmen: Als zahlender Gast, kann man bei den Sambaschulen auch mitmarschieren. Allerdings muss man sich dafür ein Kostüm von der jeweiligen Schule kaufen, das um die 200 Euro kosten kann, und im Vorfeld an einem Choreografie-Crashkurs teilnehmen. Am Aschermittwoch finden dann die Punkteauszählung und die große Siegesfeier statt. Die sechs Bestplatzierten ziehen am folgenden Samstag noch einmal durchs Sambódromo. Direkt im Anschluss beginnen die Sambaschulen bereits mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Wer möglichst viel vom Karneval in Rio sehen möchte, sollte seine Reise gut planen. Da in der Karnevalszeit in Rio de Janeiro an jeder Ecke getanzt und gesungen wird, kann man sich aber auch einfach vom Straßenkarneval mitreißen lassen. jh

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