Schermbeck - Wenn Herbert Isselhorst auf seiner Quetschkommode das „Muss i denn zum Städele hinaus“ spielt, wissen die Männer in Besten beim Wurstjagen: Es geht weiter. Aus Anlass des 111. Bestehens zogen diesmal auch Veteranen, sprich verheiratete Männer, mit. So trafen 36 verheiratete Männer auf 19 unverheiratete, darunter auch drei Neulinge von 16 Jahren, und machten sich auf den Weg, die Wurst zu jagen.
Foto: Gaby Eggert
Für alle Nicht-Schermbecker ist das sicher eine merkwürdige Angelegenheit. Für die Junggesellen in Besten das (Be)wahren einer beliebten Tradition. Eine von vielen natürlich, die hier, wie auch in weiteren Ortsteilen der Gemeinde, sicher nicht aussterben werden. Eben weil es auch eine Aktion der Gemeinschaft ist, auf die sich immer wieder alle freuen.
Schon vor 111 Jahren zogen die Junggesellen im Februar, wenn es auf den Höfen nicht so viel Arbeit gab, durch die Bauernschaft, kletterten über Hecken und Zäune und überwanden auch tiefste Gräben, um Würste für das traditionelle Essen zum Dorffest zu erbetteln.
Manchmal war es dann so, dass bei dieser fröhlichen Wurstjagd oder auch beim anschließenden Fest ein zartes Band der Liebe geknüpft wurde.
Die Tradition in Besten unterscheidet sich etwas von denen in den anderen Ortsteilen. Denn in Besten werden auch die Frauen verwöhnt. Diese haben im Junggesellenverein bekanntlich nichts zu sagen, dürfen aber die Kartoffeln für das Fest schälen und am Festabend das Essen auftragen. Dafür gibt es am Sonntag das „Mädchen holen“. Per Los werden die Jungs und Mädchen zusammengeführt, wobei die teilnehmenden Mädchen bis zum Moment, in dem es an der Haustür klingelt, nicht wissen, wer davorsteht.
Pünktlich um 7 Uhr trafen sich die Männer auch in diesem Jahr, um in zwei Gruppen los zu marschieren. Das „Sonderkommando“, ausstaffiert mit Warnwesten, weil es auch Hauptstraßen passieren muss, besuchte dabei die Höfe und Häuser an der Ortsgrenze, die anderen machten den Rest. Auf die etwas älteren Herren wurde bei dieser Jagd allerdings Rücksicht genommen. „Weil das sehr anstrengend ist, feiern wir unser Fest erst am Samstag“, erklärte Rico Isselhorst.
Am Samstagmittag sahen die etwas älteren Herrschaften aber noch ganz fit und fröhlich aus. „Wir können das noch ganz gut, nur als wir früher gingen, waren unsere Haare noch nicht so grau“, bemerkte ein Teilnehmer grinsend.
Foto: Gaby Eggert
Für die 93-jährige Ida Hemmert war das Wurstjagen in diesem Jahr auch ein besonderes Erlebnis. „Was seid ihr viele dieses Jahr“, bemerkte sie mitten in ihrer kleinen Küche stehend und strahlend. Und man glaubt es kaum. „Handzahm“ wurden die Mannen beim Besuch der alten Dame plötzlich. Alle gingen nacheinander an ihr vorbei, begrüßten sie mit Handschlag und schenkten ihr ein Lächeln. Dafür gab es von ihr natürlich auch Würste, auf den Schnaps aber verzichtete sie gerne. Bei vielen Jungs kannte sie den Vornamen nicht, aber sie erkannte sie am Gesicht, und auch umgekehrt wie ihre Kommentare zeigten. Einige Türen weiter wurde die Truppe ebenfalls schon von einer Seniorin erwartet.
Wussten Sie, lieber Leser, dass es Dunkelbesten und Hellbesten gibt? Also Dunkelbesten ist am Ende des Kuhweges. Und warum? „Weil es hier nur zwei Straßenlaternen gibt“, wurde lachend erzählt. Im Hellbesten - der eigentlichen Siedlung, gebe es eben mehrere. Und beim Laufen wurde auch auf die schlechten Verhältnisse der Wirtschaftswege hingewiesen „Wir sind eben hier nicht so wichtig“, wurde gefrotzelt. In Dunkelbesten findet auf jeden Fall immer das Mittagessen statt.
Seit Jahrzehnten wird der Tisch von Margit Engelmann für die Jäger zum Mittagessen einladend gedeckt. Das Feuer im Kamin prasselt, der Kaffee duftet, genauso wie die gebratenen Würste und das köstliche Rührei. Knapp eine Stunde dauerte die Pause und dann hörte man es auch schon wieder: „Muss i denn zum Städele hinaus“.
Und beim nächsten Hof standen die Bewohner schon wieder parat, eine Feuerstelle spendete den „Wurstjägern“ wohlige Wärme, denn es war inzwischen knackig kalt draußen. Gaby Eggert