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Zehn Jahre Vorlesepaten

Zusammen engagieren sich die Gladbecker Vorlesepaten in Sachen Sprachförderung bei Kindern – das Miteinander ist ihnen wichtig

Gladbeck - Sie lieben Geschichten, haben ein Herz für Kinder und sind sehr engagiert: Die ehrenamtlichen Vorlesepaten der Stadtbücherei Gladbeck setzten sich für Kinder ein. Unter dem Motto „Wir setzen ein (Lese)-Zeichen“ engagieren sich Vorleser schon seit zehn Jahren. Einige von ihnen sind schon seit 2005 dabei, andere erst seit ein paar Monaten. Die Vorlesepaten sind zwischen 30 und 70 Jahre alt. Manche sind berufstätig, andere schon im Ruhestand.
 

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Alle drei Monate gibt es einen offiziellen Vorlesepatenstammtisch, bei dem sich die Vorlesepaten austauschen.
Foto: Katharina Boll

Alle drei Monate findet ein offizieller Vorlese­patenstammtisch in dem Café der Stadtbücherei Gladbeck statt. Diesen nutzen die 35 Vorlesepaten zum Austausch und geben sich gegenseitig wichtige Tipps für den Umgang mit den Kindern. Auch kleine Hausmittel, damit die Stimme vor dem Vorlesen nicht versagt, werden ausgetauscht. Zwischen Kaffee, Tee und Kinderbüchern werden viele lustige Erlebnisse aus ihren Vorlesegruppen erzählt. In den Monaten, in denen es kein Vorlesepatenstammtisch gibt, treffen sich die Vorlesepaten auch privat.

Die Stadtbücherei Gladbeck hat über 25 Kooperationen mit Kindergärten, Grundschulen und einem Kinderhort aus der Umgebung geschlossen, in denen die Ehrenamtler regelmäßig vorlesen. Doch auch die Kinder besuchen die Stadtbücherei und nehmen an Führungen teil. So können die Kinder schon im jungen Alter ein Gefühl für Bücher und Geschichten bekommen. Das liegt besonders der Autorin Halina Monika Sega am Herzen. Sie engagiert sich auch als Vorlesepatin und findet es wichtig, dass Kinder an Bücher herangeführt werden. Sie möchte mit ihrem Engagement den Kindern eine Möglichkeit bieten, Geschichten und Märchen zu erfahren. Auch für sie ist der regelmäßige Kontakt mit Kindern eine bereichernde Erfahrung. Die Autorin plagte bisher Lampenfieber vor jeder ihrer Lesung. Durch das regelmäßige Vorlesen in den Kindergarten-Gruppen konnte sie eine gewisse Routine bekommen. Nun fällt es ihr wesentlich leichter vor größeren Gruppen ihre Bücher vorzustellen.

Auch Vorlesepate Peter Kleiber kann bestätigen, dass die Kinder viel zurückgeben. Seine Vorlesegruppe bastelte ihm zu Weihnachten eine Karte, in die sie Wünsche für ihn hineinschrieb. Nun ließ er sich es nicht nehmen und bastelte zusammen mit seiner Frau eine Kleinigkeit zu Ostern für die Kinder. Peter Kleiber ist einer von vier Männern, die sich in diesem Projekt engagieren. Bei den Stammtischen hat er es nicht immer leicht zwischen den Frauen. Doch da alle ein freundschaftliches Verhältnis haben, nimmt er es mit Humor.
 

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35 ehrenamtliche Vorlesepaten engagieren sich für das Projekt und lesen regelmäßig in Kindergärten und Grundschulen vor.
Foto: Privat

Es wird viel gelacht und es werden schöne Geschichten aus den Kindertagesstätten erzählt. „Über die Jahre haben wir ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen können.“, freut sich Ursula Menzen. Sie ist die Ansprechpartnerin aus der Stadtbücherei. Ursula Menzen steht mit Rat und Tat zur Seite und hilft den Vorlesepaten, wo sie nur kann. Sie ist begeistert von dem Engagement, das die Vorlesepaten mitbringen.

Die meisten Vorlesepaten sind durch Zeitungsartikel auf die Aktion aufmerksam geworden. Interessierte melden sich bei Ursula Menzen, die dann zwischen den Einrichtungen und den Vorlesepaten vermittelt. Zurzeit sucht sie jedoch keine weiteren Vorlesepaten. Ursula Menzen bereitet die Ehrenamtler gut vor und gibt ihnen Bücherempfehlungen. In der Stadtbücherei Gladbeck gibt es ein hervorragendes Inventar an aktuellen Kinderbüchern aller Art. Dieses Angebot nutzen die Vorlesepaten gerne. „Ich bin immer wieder überrascht wie viel die Vorleser ausleihen“, verriet Ursula Menzen. Für die Vorlesepaten ist der kostenlose Büchereisausweis ein Weihnachtsgeschenk, über das sie sich jedes Jahr freuen. Sie informieren sich über neue Büchertrends und machen sich Gedanken, wie sie eine Geschichte vorstellen. Ob mit Gitarre, Fingerpüppchen oder Gesang, den Vorlesern fällt immer wieder eine neue Art des Vortragens ein, mit der sie die Kinder begeistern können.

Dass Vorlesen nicht kinderleicht ist, erfahren die Teilnehmer bei intensivem Stimm-, Sprech- und Bühnentraining. Jedes Jahr wird eine Fortbildung für die Vorlesepaten angeboten. Über mögliche Themen dieser Workshops reden die Vorlesepaten bei ihrem Stammtisch. Sie bilden sich gerne weiter und können auch nach zehn Jahren noch etwas in den jährlich wechselnden Fortbildungen lernen.

Wie wichtig das Engagement in der Sprachförderung ist, zeigt die positive Resonanz aus den besuchten Einrichtungen. Leider gehört das Vorlesen nicht für alle Kinder zum Alltag. Dabei ist die Erfahrung, in kleinen Gruppen Geschichten zu hören, Bilderbücher zu betrachten und darüber zu sprechen, besonders wichtig. So leisten die Vorlesepaten mit ihren Besuchen in den Kindergärten und Schulen einen großen Beitrag zur frühkindlichen Spracherziehung. Doch für die Ehrenamtler ist nicht nur das Vorlesen ein Bestandteil ihrer Aufgabe. Für sie ist das ganze Drumherum wichtig. Die Vorlesepaten bringen den Kindern viele generelle Sachen wie Stillsitzen und Zuhören bei.

Das Projekt „Vorlesepaten“ ist in den vergangenen zehn Jahren zum Erfolgsmodell geworden und das liegt nicht zuletzt an den engagierten Vorlesepaten und ihrer Ansprechpartnerin Ursula Menzen. kb


Weitere Informationen: Im Jubiläumsjahr lesen die Vorlesepaten nun auch einmal in der Kinderbücherei vor. Zu einer offenen Vorleserunde sind alle Kinder ab 5 Jahren herzlich eingeladen. Unter dem Motto „Wochenend-Geschichte“ gibt es jeden letzten Freitag im Monat Spannendes, Lustiges, Erstaunliches und Geheimnisvolles zu hören und zu sehen. Die nächsten Termine sind am 24. April, 29. Mai und 26. Juni.

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