Gladbeck - Bereits seit Jahrzehnten wird über den geplanten Ausbau der B 224 zur A 52 diskutiert. Und das Thema sorgt in Gladbeck auch weiterhin für Diskussionsstoff. Viele Gladbecker denken bei dem geplanten Ausbau an Stau, Lärm und Abgase. Entsprechend viele Einwendungen gab es gegen das aktuell laufende Planfeststellungsverfahren. Allein das Bürgerforum Gladbeck e.V. übergab im Februar über 700 Einwendungen gegen den geplanten Autobahnausbau. Weitere Einwendungen gingen an die Stadt Gladbeck oder direkt nach Münster. Aufgrund der vielen Kritikpunkte, die das aktuelle Planfeststellungsverfahren aus Gladbecker Sicht liefert, führte eine Gladbecker Delegation Anfang März neue Gespräche in Berlin. Denn das aktuelle Planfeststellungsverfahren ist auch aus Sicht der Stadt Gladbeck nicht akzeptabel.
Auch die Stadt reichte deshalb eine Einwendung ein. Auf 15 Seiten werden hier die Kritikpunkte aus Sicht der Stadt benannt. Denn nur was dabei zur Sprache gebracht wird, kann später bei einem Planfeststellungsbeschluss angefochten werden. Unter anderem bemängelt die Stadt Gladbeck, dass die in das Verfahren eingeführte Umweltstudie veraltet ist. „Die beabsichtige Planung ist nicht akzeptabel“, sagt Tim Deffte vom Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Gladbeck. Aus Sicht der Stadt wird bei der aktuellen Planung nur ein Teil des Problems betrachtet: Die Strecke von Bottrop bis zum Autobahnkreuz der A 2. Der nördliche Teil der Strecke Richtung Gelsenkirchen wird nicht bedacht. „Der Ausbau wird die Situation in Gladbeck noch weiter verschlechtern“, ist sich Tim Deffte sicher. Staut sich jetzt bereits der Verkehr auf der B 224, zieht der Autobahnausbau weiter südlich zusätzlichen Ausweichverkehr an. Mehr Verkehr im Stadtgebiet bedeutet mehr Lärm, mehr Immissionen, eine Überlastung des innerstädtischen Verkehrsnetzes und nicht zuletzt die Zerstörung der Straßenbausubstanz in Gladbeck.
Diese Befürchtungen teilt auch Matthias Raith, Vorsitzender des Bürgerforum Gladbeck. Auch er kritisiert die falsche Abschnittsbildung. „Der Baubereich endet an der A2 und geht nicht weiter in Richtung Innenstadt.“ Er geht von erheblichen Auswirkungen für Gladbeck aus: 13.000 Autos mehr und 50 Prozent mehr LKW werden seiner Meinung nach für einen Verkehrsinfarkt in Gladbeck sorgen. „Dabei sind die Werte von Verkehr, Lärm und Immissionen jetzt schon am Anschlag“, betont Matthias Raith. „Hinzu kommt, dass keinerlei Aussagen über die Bauzeit getroffen wurden“, sagt der Vorsitzende des Bürgerforums. Mit acht bis zehn Jahren sei zu rechnen und die Autobahn wird unter „rollendem Rad“ gebaut, da die Straße nicht gesperrt werden kann. Zudem greift der geplante Bau laut Matthias Raith in das Eigentum vieler Menschen ein. Der Anwalt hat mit einigen Mitstreitern zwei Wochen vor Ablauf der Frist für Einwendungen viel Zeit investiert, um Betroffene zu beraten und bei der Einwendung zu unterstützen. „Das Planfeststellungsverfahren ist rechtswidrig und verfassungswidrig“, sagt er. Dennoch betont er: „Wir im Bürgerforum haben nichts gegen Autobahnen, aber es ist Irrwitz eine Autobahn mitten durch die Stadt zu bauen.“
Doch mittlerweile steht auch wieder die Tunnellösung im Raum. „Aus Berlin wurde uns signalisiert, dass eine Tunnellösung immer noch denkbar ist“, sagt Tim Deffte. Bereits beim Ratsbürgerentscheid im Jahr 2012 stand diese Lösung zur Debatte, wurde aber von einer Mehrheit der am Ratsbürgerentscheid teilnehmenden Bürger abgelehnt. Für die Stadt Gladbeck ist deshalb klar, dass eine Lösung nicht unter dem Ratsbürgerentscheid liegen darf. Damals war der Tunnel mit einer Länge von 1,5 Kilometer angedacht. „Der Tunnel, wenn es ein Unterflieger ist, wäre die beste Lösung für Gladbeck“, erklärt Tim Deffte. Dadurch könnten die Beschneidung der Stadt und die Stausituation aufgehoben werden und es wäre möglich neue Flächen zu entwickeln.
„Wir stehen bereit, um in Gladbeck Lösungen zu finden.“ Und: „Das Angebot an die Gladbecker, die Autobahn in einen Tunnel zu legen, gelte noch.“ So wurde Staatssekretär Enak Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium Ende Oktober 2014 anlässlich des offiziellen Spatenstichs zum A 43 Projekt öffentlich zitiert. Bürgermeister Ulrich Roland hatte dies am selben Tag zum Anlass genommen, in einem persönlichen Brief an Staatssekretär Ferlemann ein Gespräch zur Lösung der bestehenden Verkehrsprobleme auf der gesamten Teilstrecke der B 224 auf Gladbecker Stadtgebiet anzuregen.
Anfang März fand dieses Gespräch im Berliner Verkehrsministerium statt. Bürgermeister Ulrich Roland, Staatssekretär Enak Ferlemann, die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU, Michael Hübner und Peter Rademacher, die Bundestagsabgeordneten Michael Gerdes und Sven Volmering, der städtische Wirtschaftsförderer Peter Breßer-Barnebeck sowie Michael Heinze vom Landesverkehrsministerium und Joachim Brendel von der IHK nahmen daran teil.
„Wir sind gespannt, welche Überlegungen es im Bundesverkehrsministerium zur Lösung der Verkehrsprobleme auf der B 224 in Gladbeck gibt“, sagte Bürgermeister Ulrich Roland vor dem Gespräch. Fest stehe, so der Bürgermeister, dass es aus Gladbecker Sicht und im Interesse der Region nur eine Gesamtlösung geben dürfe. „Ein Teilausbau kommt für uns nicht in Frage. Gut, dass es hier einen breiten Konsens ins Gladbeck und der Region gibt!“ Ziel müsse es in Berlin sein, basierend auf den Ergebnissen und Diskussionen des Ratsbürgerentscheides ein Gesamtlösungspaket zu schnüren. „Dazu gehören die Auswirkungen des geplanten Autobahnkreuzes bei Wittringen, die berechtigten Interessen der Menschen, die hier entlang der Trasse der heutigen B 224 leben und die Notwendigkeit gut funktionierender Verkehrsbeziehungen. Konkrete Ziele: das Autobahnkreuz muss statt des bisher geplanten Überfliegers einen leistungsstarken Unterflieger erhalten. Der Lärmschutz für die Menschen in Gladbeck-Ost muss durch einen verlängerten Tunnel oder eine tiefere Strecke in Troglage deutlich verbessert werden.“
Nach den Gesprächen in Berlin ist die Gladbecker Delegation positiv gestimmt. „Uns war klar, dass wir noch kein endgültiges Ergebnis erzielen konnten. Wichtig war uns, dass wir im direkten Gespräch mit dem Bundesverkehrsministerium unsere Position erläutern und in wichtigen Fragen Konsens erzielen konnten“, fasst der Bürgermeister den Eindruck der Gesprächsteilnehmer zusammen. „Staatssekretär Ferlemann hat uns gegenüber bekräftigt, dass das Ministerium eine Lösung für die Verkehrsprobleme auf der B 224 gemeinsam mit Stadt und Region erreichen will. Er hat uns auch bestätigt, dass das Angebot für einen Tunnel weiter gilt!“ Einigkeit bestand unter den Teilnehmern darüber, dass der Kompromiss des Jahres 2011, der Grundlage des Ratsbürgerentscheids von 2012 war, auch eine gute Grundlage für neue Gespräche zwischen Bund, Land und Stadt sein müsse. In diese Gespräche müssten aber auch die Erkenntnisse aus dem Ratsbürgerentscheid einbezogen werden. Konkret solle noch einmal geprüft werden, ob es statt des bisher geplanten Überfliegers im Autobahnkreuz A 2 / A 52 künftig einen Unterflieger geben kann. Außerdem bestand Konsens darüber, dass im Interesse der in Butendorf-Ost und Mitte-Ost lebenden Menschen der Lärmschutz auch über die Landstraße hinaus verbessert werden müsse.
Das Land wird nun die erforderlichen Untersuchungen für einen verbesserten Lärmschutz ab der Landstraße in Richtung Gelsenkirchen-Buer sowie für den Unterflieger für das Autobahnkreuz einleiten. Es soll auch geprüft werden, ob der Baubeginn, anders als bisher vorgesehen, im Bauabschnitt zwischen Gelsenkirchen-Buer und A 2 erfolgen kann. Bund, Land und Stadt sind sich darüber einig, dass hierüber eine schriftliche Vereinbarung geschlossen wird. Nach dem Gespräch waren die Teilnehmer froh, dass der Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden konnte. Das nächste Gespräch soll im September stattfinden. go