Gladbeck - Ein buntes Unterhaltungsprogramm, ein verkaufsoffener Sonntag und der Duft nach frisch gebackenen Apfelwaffeln – das erwartet die Besucher am 5. und 6. September in Gladbecks Innenstadt. Denn bereits zum 27. Mal wird das Appeltatenfest gefeiert. Und das heißt, Gladbeck steht wieder ganz im Zeichen des Apfels und auch eine neue Appeltatenmajestät wird gekrönt und löst die noch amtierende Majestät Andrea Sommerfeld ab.
Um Gladbecks Appeltatenmajestät zu werden, mussten die Gladbeckerinnen schon zu den Anfangszeiten des Festes etwas ganz Besonderes machen. Die ersten Anwärterinnen mussten 1989 ihre Apfeltorten-Rezepte einreichen. Gudrun Dreischer verzückte mit ihrer Apfeltorte mit Weincreme die Gaumen der Jury und wurde so zu Gladbecks erster Appeltatenmajestät. Ihr Rezept ist übrigens erstmals zum Nachbacken im diesjährigen Programmheft abgedruckt. Ulrike Rodewald, die „Mutter aller Appeltatenmajestäten“, wie die amtierende Majestät Andrea Sommerfeld sie liebevoll nennt, ist von dem Rezept auch nach 26 Jahren noch begeistert. „Ich habe die Torte schon oft nachgebacken und sie kommt immer gut an, weil sie so saftig und lecker schmeckt.“ Ulrike Rodewald ist zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass es ein Appeltatenfest in Gladbeck gibt, denn sie war einer der kreativen Köpfe und engagierten Planer, die dieses Fest 1989 zum ersten Mal möglich machten. Denn in diesem Jahr wurde das erste Appeltatenfest der „Neuzeit“ von Kaufmannschaft, Stadtverwaltung und dem Verkehrsverein angeboten.
„Zu dieser Zeit fing es an mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Und um die genehmigt zu bekommen, musste man ein historisches Stadtfest vorweisen“, erzählt Ulrike Rodewald. Rainer Weichelt, der damals der Leiter des Stadtarchivs war, machte sich auf die Suche und wurde fündig – Es gab in Gladbeck ein historisches Stadtfest. Das heutige Appeltatenfest geht deshalb zurück auf die sogenannte Appeltatenkirmes, die alljährlich um den 17. September herum im Ortskern des damaligen Dorfes Gladbeck stattfand. Offiziell war es der Lambertimarkt, der aus Anlass des Lambertusfestes seit 1403 gefeiert wurde. Nach einer Pause wurde der Markt dann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vermutlich wieder aufgenommen. Zu dieser Zeit teilte er sich in einen Vieh- und Krammarkt. Gleichzeitig entwickelte er sich außerdem immer mehr zu einem Volksfest und erhielt bald den Namen Appeltatenfest – wegen der Apfeltorten (Appeltaten), die man um diese Jahreszeit überall kaufen konnte. Rund um die Kirche kamen Kirmesbuden hinzu und 1858 oder 1859 sogar ein Karussell. Die Anwohner der Hochstraße duften Schnaps ausschenken. Aus Angst vor einer „Verrohung der Sitten“ kam es im Jahr 1908 allerdings zum Verbot des Festes.
Umso schöner, dass das Appeltatenfest der Neuzeit nun an die rund 600-jährige Tradition anknüpft und sich inzwischen zum größten Stadtfest entwickelt hat. Einen nicht unwesentlichen Teil dazu hat Ulrike Rodewald beigetragen, denn sie hatte die Idee, eine Appeltatenmajestät zu krönen. Den verschiedensten Aufgaben rund um den Apfel mussten sich die Anwärterinnen dabei seit Beginn des Festes stellen. Die erste Majestät gewann mit ihrem Apfeltorten-Rezept. Die zweite Majestät gewann durch ihre Apfelköstlichkeit „Himmel und Erde“ und im dritten Jahr mussten Gedichte und Geschichten rund um den Apfel eingereicht werden. Seit 1994 gibt es eine Apfelolympiade, wie es sie auch in diesem Jahr gibt. In drei Disziplinen müssen die Thronanwärterinnen dabei ihr Können beweisen: Minigolf, Armbrustschießen und möglichst lange Apfelspiralen schälen. Wer Andrea Sommerfeld als amtierende Appeltatenmajestät ablöst, entscheidet sich im Finale am Samstag, 29. August ab 11 Uhr auf dem Marktplatz. „Zuschauer, die die Anwärterinnen unterstützen wollen, sind herzlich willkommen“, sagt Ulrike Rodewald. Sechs Finalistinnen treten an diesem Tag an, um als Appeltatenmajestät die Stadt Gladbeck zu repräsentieren. Die Siegerin erwartet als Preis nicht nur die einjährige Amtszeit, sondern auch ein ganz besonderes Schmuckstück gesponsert von Peter Weis von Optik Rodewald. Die Appeltatenmajestät erhält eine Kette in 85er Gelbgold mit einem Anhänger in Form eines Apfels und einem lupenreinen Brillanten im Wert von über 2.000 Euro. Jede der Appeltatenmajestäten zuvor erhielt ebenfalls ein solches Schmuckstück, wobei die Ketten nie identisch sind. Und nicht nur die Siegerinnen erhalten Preise, sondern alle sechs Anwärterinnen, die im Finale bei der Apfelolympiade stehen. Mitmachen lohnt sich also.
Das findet auch die noch amtierende Appeltatenmajestät Andrea Sommerfeld. Denn ihr Jahr als Gladbecks Appeltatenmajestät war für sie unvergesslich. Obwohl sie erst zur Teilnahme an der Apfelolympiade überredet werden musste, kann sie es nur jeder Gladbeckerin empfehlen, selbst dabei mitzumachen. „Ich hätte niemals damit gerechnet zu gewinnen“, sagt die Appeltatenmajestät. Aber während der Apfelolympiade im vergangenen Jahr wurde sie überwältigt von der tollen Stimmung und der Unterstützung, die sie erhielt. „Meine ganze Familie, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen – alle sind gekommen und haben mich angefeuert“, schwärmt Andrea Sommerfeld. Und auch nach ihrem Sieg hielt das Jahr als Majestät zahlreiche Höhepunkte für sie bereit, wie die Kutschfahrt zur Krönung, die Einladung des Bürgermeisters von Alanya, Gladbecks Partnerstadt in die Türkei, oder zahlreiche Anlässe, bei denen sie ehrenamtlich zum Beispiel in Seniorenheimen Freude schenken durfte allein durch ihren Auftritt. Trotz der vielen tollen Momente freut sich Andrea Sommerfeld auch auf die Zeit als nicht mehr amtierende Appeltatenmajestät. „Ich bin nicht traurig, dass das Jahr vorbei ist, denn es geht ja weiter“, sagt sie. Denn sobald die neue Majestät gekrönt ist, gehört sie zu den ehemaligen Majestäten und die sind bekannt dafür, sich im Hintergrund immer wieder ehrenamtlich für soziale Zwecke zu engagieren und leckere Apfelwaffeln zu backen, wie auch beim diesjährigen Appeltatenfest wieder. go