Spurensuche am Waldstadion Grafenwald

Gemeinsam mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen waren wir auf Spurensuche am Waldstadion Grafenwald

Kirchhellen - In unserer letzten Ausgabe haben wir Ihnen über die Geschichte der Züge in Kirchhellen berichtet. Nun geht es auch um einen Teil eines Zuges. Doch wofür dieser gebraucht wurde, können sich viele heutzutage nicht mehr vorstellen. Denn auf dem Sportplatz in Grafenwald gab es lange Zeit keine festen Umkleidekabinen. So musste sich der damalige Vereinsvorstand etwas einfallen lassen und kam auf eine pfiffige Idee.
 

Ein ausgedienter D-Zug-Wagen wurde kurzerhand zweckentfremdet und als Umkleide- und Dusch-Waggon genutzt. Die Umbauarbeiten wurden von den Vereinsmitgliedern selbst vorgenommen. Von Juni 1969 bis November 1971 konnten die aktiven Fußballspieler hier duschen und sich umziehen. Doch nicht nur die Kabinen haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Gemeinsam mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen sehen wir uns die Geschichte des Waldstadions genauer an.
„Der Grundstein für den heutigen Grafenwälder Sportverein wurde bereits im Jahr 1928 gelegt“, erzählt Dr. Peter Scheidgen, Leiter des Arbeitskreises Grafenwald des Vereins für Orts- und Heimatkunde. Damals wurde der Fußballverein DJK VfL Grafenwald gegründet. Neben dem Vereinsnamen bestehen auch die Vereinsfarben grün und weiß bis heute. Jedoch schon 1934 wurde der Verein von den NS-Behörden wieder aufgelöst, der DJK-Verband 1935 sogar verboten.
 

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sportaktivitäten in Grafenwald wieder aufgenommen. Mit Hilfe der katholischen Jungmännergemeinschaft (KJG) unter der Leitung von Pater Vorgerd begann der Umbau einer alten Kiesgrube an dem Alten Postweg zum Sportplatz. „Vor dem Sportplatz am Sensenfeld gab es etwa einen Kilometer entfernt einen Sportplatz, auf dem erste Fußballspiele ausgetragen wurden. Die sogenannte Sandwüste oder, wie sich manche bestimmt noch erinnern, ‚Kieshumus‘ war etwas kleiner als ein Fußballfeld“, berichtet der Grafenwälder Dr. Peter Scheidgen.

Am 18. Juni 1968 trafen sich sportbegeisterte Grafenwälder in der Gaststätte Buschler zur Neugründung des DJK-VfL Grafenwald. 37 Gründungsmitglieder sind auf der historischen Anwesenheitsliste verzeichnet. Der damalige Vereinsbeitrag wurde auf monatliche 2 D-Mark festgelegt. Bereits bei der ersten Mitgliederversammlung zwei Monate nach der Gründung betrug der Stand der Mitglieder bereits 138.
 

Die Entscheidung, den Platz am Sensenfeld zu einem neuen Sportplatz umzubauen, war lange umstritten. Die damalige Spielergemeinschaft wollte zunächst den Marktplatz am Prozessionsweg für ihr Vorhaben erwerben. Doch nach einem langwierigen Prozess mussten sie auf das Grundstück am Sensenfeld ausweichen. In den 1970-er Jahren festigte der Verein sich immer mehr und vergrößerte sich ständig. Am 15. Juli 1972 wurden der neue Ascheplatz eingeweiht. In den folgenden Jahren wurde die Tennisanlage und das Clubhaus fertig gestellt. Neben der Abteilung Fußball entstanden die Abteilungen Tennis, Indiaca, Volleyball und Gymnastik. 1035 Mitglieder konnte der VfL 1979 verzeichnen. 1984 begann der VfL Grafenwald mit der Planung eines neuen Rasenplatzes, der zwei Jahre später eingeweiht wurde. Die Gesamtkosten des Rasenplatzes beliefen sich auf 293.000 D-Mark. Zudem wurden in diesem Jahr auch die Tribüne und der Trainingsplatz fertiggestellt. 1990 entstand das wohlbekannte Vereinsheim. Am 1. Oktober 1990 wurde der Grundstein gelegt und bereits im April 1991 fand die erste Jahreshauptversammlung im neuen Vereinsheim statt. Nachdem Ende der 1990-er die Einrad- und Kampfsportabteilungen gegründet wurden, wurde der VfL Grafenwald im Jahr 2000 zu einem Spartenverein umstrukturiert. Im Jahr 2014 enstand aus dem einstigen Ascheplatz ein moderner Kunstrasenplatz mit einer Tartanbahn von 100 Metern und Bewässerungsanlage. Rund 520.000 Euro kostete der Umbau. In Rekordzeit wurde das Waldstadion vollkommen modernisiert. kb


Weitere Informationen finden Sie in Heft Nr. 46 der Schriftenreihe des Vereins für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen „Neues aus Grafenwald“.

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