Die Welt zu Gast in Schermbeck

Die japanische Austauschschülerin Yukiko Toda ist für ein Jahr in Schermbeck zuhause – Werden auch Sie zur Gastfamilie

Schermbeck - 9.065 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Schermbeck und Yukikos Heimatstadt Joetsu in Japan. Bereits im Februar hat ihre große Reise begonnen. Doch von Heimweh ist bei der 17-Jährigen keine Spur. Sie fühlt sich bei der Schermbeckerin Marlis Fengels sichtlich wohl. Gemeinsam sind sie zu einer echten kleinen Familie zusammengewachsen und haben sogar gleiche Hobbies entdeckt.

„Ich wollte sehr gerne nach Deutschland kommen. Mein Vater ist Grundschullehrer und war ebenfalls in Deutschland, um das Erziehungssystem hier kennenzulernen“, erklärt Yukiko. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Zuhause wohnt sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester in der japanischen Stadt Joetsu. Vor einem Jahr hatte ihre Familie ebenfalls eine Austauschschülerin aus der Schweiz zu Gast. Nun wollte Yukiko selbst die große weite Welt für sich entdecken. „Meine Freundin war ebenfalls mit der AFS Organisation in Thailand. Daraufhin habe ich mich auch dort beworben.“

AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. ist ein gemeinnütziger Verein für Jugendaustausch und interkulturelles Lernen. Die Organisation arbeitet ehrenamtlich. Neben dem Schüler- und Gastfamilienprogramm bietet AFS die Teilnahme an Freiwilligendiensten sowie interkulturelle Trainingsmaßnahmen an. Der Verein finanziert sich aus den Teilnahme- und Vereinsbeiträgen, durch Spenden, Stiftungsmittel und öffentliche Gelder. AFS ist Teil des weltweiten AFS-Netzwerks und arbeitet mit gleichberechtigten Partnern in rund 50 Ländern auf allen Kontinenten zusammen.
Nach einem Eignungstest im Juni 2015 ging alles ganz schnell. „Anfang Januar habe ich mich bereit erklärt, Yukiko bei mir aufzunehmen und Mitte Februar war sie dann bei mir zuhause“, berichtet Marlis Fengels.
 

Sprachbarrieren gemeinsam überwunden

Als Yukiko im Februar zu Marlis Fengels kam, konnte sie kein Wort Deutsch sprechen. Eine Verständigung war nur in Englisch möglich. „Es sind Herausforderungen der besonderen Art. Aber ich möchte Yukiko natürlich auch fördern und deshalb hab ich irgendwann gesagt, wir reden nur noch in Deutsch“, erklärt Marlis Fengels. Dieser kleine Schubs ins kalte Wasser hat Yukiko viel geholfen. Nun hat sie den Spaß an der neuen Sprache entdeckt und viel mehr Möglichkeiten zu kommunizieren. „Es ist ganz wichtig deutsch zu sprechen mit meinen Freunden in der Schule“, verrät die Japanerin. Derzeit besucht Yukiko das St. Ursula Gymnasium in Dorsten.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Auch wenn Yukikos Heimatland Japan sehr westlich orientiert ist und der deutschen Lebensweise in vielen Hinsichten ähnelt, unterscheiden sich die Länder in signifikanten Punkten voneinander. Das hat auch Yukiko in ihren ersten Monaten in Deutschland herausgefunden. „Unser Schulsystem in Japan ist ganz anders. Unser Unterricht ist viel dichter geplant und wir haben täglich von 8 bis 20 Uhr Schule“, verrät die Schülerin. Nach der Schule müssen noch einmal drei bis vier Stunden für das Lernen eingeplant werden. Aber auch neben dem Lehrplan gibt es einige Unterschiede. „In Japan müssen alle Schüler jeden Tag 15 Minuten die Schule putzen.“ In Deutschland wohl undenkbar.

Eine Familie für ein Jahr


An die Abreise im nächsten Jahr wollen Marlis Fengels und Yukiko wohl noch nicht denken. Sie sind zu einer kleinen Familie zusammengewachsen. „Ich habe mich bewusst für Yukiko entschieden, da wir beide sehr gerne Musik machen. Das verbindet uns“, verrät Marlis Fengels. Die beiden haben sogar schon ein kleines Privatkonzert gegeben.

Nicht nur für Yukiko ist die Zeit ein Abenteuer, auch Marlis Fengels sieht das Jahr als eine enorme Bereicherung. „Ich bin sehr froh die Herausforderung angenommen zu haben und kann es jedem nur empfehlen“, erklärt die Schermbeckerin. Wer ebenfalls Interesse an einem Austauschschüler hat, kann sich mit der AFS in Verbindung setzen. Bereits im September kommen wieder einige Austauschschüler, die derzeit noch ein neues Zuhause suchen.
 

Bereichern Sie Ihr Familienleben

Insgesamt 410 Schüler aus mehr als 15 Ländern möchten im September für einen Schüleraustausch nach Deutschland. Für ein halbes oder ganzes Schuljahr möchten die 15- bis 18-Jährigen das Familienleben in Deutschland erleben, Deutsch lernen und den Menschen hier ihr Heimatland näherbringen.

Auch für Schermbeck sucht AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. noch weltoffene Gastfamilien, die für ein Jahr ehrenamtlich einen Austauschschüler bei sich aufnehmen und ihr Familienleben so bereichern möchten. „Insgesamt habe ich noch acht Schüler, die vermittelt werden möchten“, erklärt die Schermbeckerin Andrea Große Brinkhaus, die ehrenamtlich für die AFS tätig ist und für die Sorgen und Probleme der Gasteltern im Bereich Schermbeck immer ein offenes Ohr hat. „Hier wird niemand alleine gelassen. Es gibt immer Ansprechpartner für die Schüler und auch für die Gasteltern.“

Im Miteinander sammeln die Jugendlichen sowie ihre Gasteltern und -geschwister interkulturelle Erfahrungen, stellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten fest und erhalten so einen neuen Blickwinkel auf ihre Lebensweise. Gleichzeitig unterstützen sie die Entwicklung einer Willkommenskultur und schließen Freundschaften fürs Leben. Auch Andrea Große Brinkhaus hatte bereits drei Gastschüler bei sich zuhause und ist froh dieses Abenteuer gewagt zu haben. „Es ist eine enorme Bereicherung gewesen. Und wir haben viel von den Schülern gelernt“, sagt die Schermbeckerin. Anfang diesen Jahres hat sie gemeinsam mit ihrem Mann sogar ihre Gastkinder in Kairo besucht.

Durch einen Gastschüler lernt man die unterschiedlichen Religionen und Kulturen kennen. Das bringt mehr Verständnis in die Welt. „Ich habe am Anfang nicht gedacht, dass ein Mensch so viel bewirken kann. Aber als ich gesehen habe, wie viel unsere Gastschüler alleine in unserer Familie und in der Schule bewirkt haben, wurde mir klar, wie wichtig dieser kulturelle Austausch ist“, erklärt Andrea Große Brinkhaus. Gastfamilie kann fast jeder werden, egal ob Paare mit oder ohne Kinder, alleinerziehende Mütter und Väter, gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinstehende. Während des gesamten Aufenthalts werden die Familien von Ehrenamtlichen im lokalen Komitee Wesel-Emmerich-Bocholt sowie aus der AFS-Geschäftsstelle begleitet und unterstützt.

Steckbriefe

Um einen kleinen Eindruck von den Gastschülern zu bekommen, stellen wir Ihnen nun drei Bewerber vor, die uns von Andrea Große Brinkhaus zur Verfügung gestellt wurden.

Nicharee, Thailand

Die 16-jährige Nicharee kommt aus Thailand und möchte für ein Jahr nach Deutschland kommen. Sie ist sportlich aktiv und spielt gerne Klavier. Außerdem kocht sie gerne in ihrer Freizeit.„Ich bewerbe mich für das AFS Programm, da ich ein anderes Land und dessen Kultur kennenlernen möchte“, erklärt Nicharee in ihrem Steckbrief.

Francisco, Dominikanische Republik


Francisco oder auch Frank ist 17 Jahre alt und kommt aus der Stadt Santo Domingo. Basketball, Gitarre  spielen und Zeichnen gehören zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Frank liebt es in der Natur zu sein und hat ein großes Herz für Tiere. „Insgesamt bin ich ein sehr aktiver Mensch, der nicht gerne aufgibt und sich auf neue Erlebnisse im Leben freut“, verrät Frank in seinem Steckbrief.

Xinyi, China


Auch die aus Beijing stammende Xinyi möchte für ein Jahr ihre Heimat verlassen und die deutsche Kultur näher kennenlernen. Badminton und Schwimmen sind ihre liebsten Sportarten. Aber auch Lesen und Reisen gehören zu ihren Hobbies.


Wenn Sie Interesse haben einen Austauschschüler auch bei sich aufzunehmen, können Sie gerne Kontakt zu Andrea Große Brinkhaus aufnehmen. Sie wird Ihnen bei dem weiteren Verlauf helfen. Erreichbar ist sie unter der Telefonnummer 0178/1685979. kb

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