Zwischen Überfluss und Mangel

Die Bottroper Tafel ist Teil des Verbundes Deutscher Tafeln und unterstützt Bedürftige mit Lebensmitteln und Kleidung

Kirchhellen - „Die Tafeln sind eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit“, sagt Dieter Kruse, 1. Vorsitzender der Bottroper Tafel. In Deutschland werden täglich viele Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch verzehrfähig sind. Gleichzeitig gibt es auch hierzulande Millionen Menschen, die nicht ausreichend zu essen haben. Die Tafeln schaffen eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel: Sie sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte – kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag.

Derzeit gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland. Alle sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln – knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche. Eine davon ist auch in Bottrop. Dort werden zurzeit rund 1.200 Menschen versorgt. Bis 2002 hießt die Tafel in Bottrop „Bottroper Tisch“, doch die Zugehörigkeit zum Verbund der Tafeln ist von Vorteil. „Vor allem für Großspender ist der Verbund wichtig.“ Den 60 Mitarbeitern geht es vor allem darum, zu helfen und Lebensmittel weiterzugeben und sie vor dem Mülleimer zu retten. Nur 13 von ihnen sind angestellt, als 1,50 Euro-Jobber oder Bufdi. Der Rest kommt ehrenamtlich. „Es ist gut, dass wir so viele engagierte Menschen hier haben. Schließlich fällt viel Arbeit an.“
 

So starten die Fahrer mit vier Lkw an der Hauptstelle in Bottrop, Glad­becker Str. 110, um 7.30 Uhr mit der Tour durch die Bottroper und Kirch­hellener Geschäfte, Hofläden und Herstellungsbetriebe, um Lebens­mittel aller Art einzusammeln. Oft sind es Überschusswaren oder falsch etikettierte Verpackungen, die nicht in den Handel dürfen. Aber auch Spen­den wie Kartoffeln oder Zwiebeln werden abgegeben. Die Kirchhellener Supermärkte werden sogar jeden Tag angefahren. Gegen Mittag sind die Wagen wieder zurück und dann heißt es sortieren. Ein mittlerweile gut ausgearbeitetes System sorgt dafür, dass die Helfer die Ware in die passenden Kisten und Kartons packen, so dass sich sie Bedürftigen dort ihren Warenkorb zusammenstellen können.
Ausgabe der Lebensmittel ist in Kirchhellen jeden Dienstag am Pfarrheim. „Bedürftig sind für die Tafeln alle Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können, z.B. weil sie eine kleine Rente haben, Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen“, erzählt der Kirchhellener Dieter Kruse, der den Bottroper Tisch damals gegründet hat. Damit die Hilfe auch da ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird, lassen sich die Tafeln die Bedürftigkeit ihrer Kunden durch offizielle Dokumente nachweisen. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.
 

Auch Kleidung und sogar einige Möbel sind an der Gladbecker Straße erhältlich. „Wir können keine großen Schränke hier lagern, aber vermitteln können wir natürlich“. Seit 2008 werden einige der Grundschulen versorgt. An zwölf Bottroper Grundschulen freuen sich 220 Kinder über Pausenbrote und Obst. „Durch die Kontaktaufnahme der Schulen können wir so Kindern, die kein Frühstück mit in die Schule bringen, wenigstens eine vernünftige Mahlzeit geben. Sie glauben gar nicht, wie viele Kinder zuhause keine Lebensmittel vorfinden“, sagt Dieter Kruse ein wenig traurig über die Situation, die sich in den vergangenen Jahren extrem verschlechtert hat. Und das liegt nicht allein daran, dass so viele Flüchtlinge zu den Gästen der Tafel gehören... gj


Wer helfen möchte oder Hilfe benötigt, kann sich direkt an die Bottroper Tafel wenden: Gladbecker Str. 108/110, 46236 Bottrop, Tel.: (02041)  3767112/113, www.bottropertafel.de.

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